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Die Auge-Hand-Körper-Koordination ist wesentlicher Bestandteil des traditionellen intuitiven Bogenschießens.


Um ein Ziel zu haben, müssen wir unseren Augen etwas bieten. Was unsere Augen erfassen, setzt unser Gehirn dahingehend um, dass es den Schießablauf berechnet und koordiniert. Für uns geschieht das unterbewusst. Wir wissen, dass es passiert, wir nehmen aber keinen Einfluss darauf, wie es passieren wird. Sollten wir jedenfalls nicht. Wir sollten nicht nachdenken und unser Unterbewusstsein seine gespeicherten Erfahrungen abrufen und uns entsprechend steuern lassen. 


 

Zusammenspiel von Augen und Gehirn beim Bogenschießen

Wir wissen nicht, wie weit ein Ziel entfernt ist. Müssen wir auch nicht. Das Gesehene setzt das Gehirn um und berechnet die Distanz. Wir konzentrieren uns auf einen möglichst kleinen Punkt und das Gehirn sagt sich "boah, den kleinen Punkt will sie / er treffen? - Na gut, wenn´s sein muss" und fängt wieder an zu rechnen und zu korrigieren. Aufgrund von Erfahrungswerten steuert es nun z.B. das Heben und Senken des Bogenarms. Das Resultat, Treffer oder Fehlschuss, wird in unseren Köpfchen wieder als Erfahrung gespeichert und bei späteren Schüssen zur Anstellung von Vergleichen und einer erneuten Steuerung herangezogen.

Traditionelles intuitives Bogenschießen bedeutet, mit verhältnismäßig einfachen Bögen, ohne Zielvorrichtung und anderen technischen Schnick-Schnack, nur mithilfe der Konzentration ein Objekt zu treffen.

Um konzentriert unseren Fokus auf das Ziel einzustellen, benötigen wir räumliches, dreidimensionales Sehen, was nur mit beiden Augen zusammen möglich ist. Beide Augen sind und bleiben während des gesamten Schussablaufs geöffnet und auf das Ziel gerichtet. Alles andere muss "automatisch" passieren.

Den Fokus verlieren wir, wenn wir (zwischenzeitlich) auf die Pfeilspitze schauen, somit zwischen nah und fern herumspringen oder die Pfeilspitze gar zum Zielen verwenden. Vorbei ist es auch, wenn wir ein Auge schließen, wie es z.B. bei Gewehrschützen mit Visier üblich und normal ist.


 

Bogenschießen mit Brille und Kontaktlinsen

Der Idealfall sind natürlich gute Augen, auf möglichst alle Entfernungen. Aber nicht jeder kommt ohne Sehhilfen wie Brille und Kontaktlinsen aus. Trotzdem können die meisten Fehlsichtigen Bogenschießen.

Wenn du die Möglichkeit hast, trage bitte Kontaktlinsen statt einer Brille. Wenn das nicht geht, dann solltest du eine eng anliegende Brille (Sportbrille) tragen, da ausladende Brillen(gestelle) dich am korrekten Ankern hindern und sich die Sehne im Gestell verhaken kann. Es sollte dann eine eng sitzende Feststärkenbrille sein, die für deine Distanzen optimiert ist.

Gleitsichtbrillen sind beim intuitiven Bogenschießen suboptimal, da du bei wechselnden Distanzen durch Heben oder Senken des Kopfes "scharfstellen" musst. Das aber verändert deutlich deine Haltung und deinen Ankerpunkt. Somit ist konstantes Schießen nicht möglich. Oft haben Bogenschützen mit Gleitsichtbrillen auch ein Problem mit dem räumlichen Sehen auf unterschiedliche Distanzen.

Ob Bogenschießen für dich möglich ist, wenn du stark fehlsichtig bist und das auf beiden Augen stark abweichend, musst du ausprobieren. Vor allem dann, wenn das Führungsauge das "schlechtere" ist. Dazu lässt sich keine pauschale Aussage treffen.


 

Händigkeit und Führungsauge

Ob jemand wirklich Rechts- oder Linkshänder ist oder ein umerzogener Linkshänder (früher wurde man so erzogen: "schreib mit der rechten Hand, das gehört sich so"), sollte speziell beim Bogenschießen festgestellt werden. Ein "echter" Linkshänder macht, schon weil diese Hand in der Regel auch mehr Kraft, mehr Gefühl und eine schnellere Reaktion hat, das meiste mit der linken Hand. Er wird den Bogen in die rechte Hand nehmen - trotzdem heißt dieser Bogen LH- bzw. Linkshandbogen - und mit der linken Hand die Sehne ziehen. Der Körper zeigt dabei mit der rechten Körperseite zum Ziel und der Pfeil liegt auf der rechten Seite des Bogens. Ein "umerzogener" Linkshänder wird es vielleicht - das muss man ausprobieren - anders herum besser können oder sich dabei einfach wohler fühlen.

Zugegeben - für Einsteiger ist das etwas verwirrend.

Mit wenigen Ausnahmen ist ein Mensch entweder Links- oder Rechtshänder, wie er auch ein führendes linkes oder rechtes Auge hat. Das führende (dominante) Auge steuert die Blickrichtung und hat Vorrang vor dem nicht-führenden Auge. Die Informationen des führenden Auges haben Priorität. Mehr dazu unten bei "Kreuzdominanz beim Bogenschießen".

Die Händigkeit steht nicht in Zusammenhang mit der Dominanz der Augen, auch wenn das bei der Mehrzahl der Menschen so ist und eigentlich der Idealfall. Ein Rechtshänder kann durchaus ein führendes linkes Auge haben und umgekehrt. Man spricht in diesen Fällen von Kreuzdominanz.

Komplizierter, obwohl es einfacher wirkt, ist es bei einem unserer Kursteilnehmer. Er ist Ambidexter, das heißt, er kann mit beiden Händen gleichermaßen "arbeiten" ohne Unterschied. Nur etwa 1% der Weltbevölkerung haben diese Fähigkeit. Zudem hat dieser Ambidexter auch eine Wechseldominanz. Das heißt, mal ist das linke, mal das rechte Auge dominant, mal ist keine Dominanz feststellbar. Er hat sich nach einigem Ausprobieren dafür entschieden, einen LH-Bogen zu schießen, weil er damit subjektiv besser zurecht kam.


 

Welches ist denn mein Führungsauge?

Das festzustellen, ist simpel: Am Anfang dieses Artikel siehst du ein Bild. Forme deine Hände so oder so ähnlich bei ausgestreckten Armen. Suche dir nun irgendein Objekt in der Ferne anstelle des schwarzen Punktes (Kirchturm, Verkehrsschild ...). Das Objekt muss ziemlich genau mittig liegen. Fixiere diesen Punkt mit beiden Augen - beide offen - durch deine Hände. Schließe nun ein Auge, während du das andere geöffnet lässt. Wiederhole das mit dem anderen Auge. Bei einer Situation "springt" das Objekt förmlich aus dem Bilderrahmen oder es "bewegt sich" deutlich, beim anderen Auge verändert sich nichts, das Objekt verbleibt unverändert an der mittigen Position. Springt dieses Objekt aus dem Rahmen oder bewegt sich deutlich, wenn du das rechte Auge schließt, ist das rechte Auge dein Führungsauge. Und umgekehrt.

Bist du nun Rechtshänder mit einem rechten führenden Auge oder Linkshänder mit einem linken führenden Auge, ist alles wie bei den meisten Menschen. Wenn nicht, dann hast du eine Kreuzdominanz.


 

Kreuzdominanz beim Bogenschießen

Um zu verstehen, was Kreuzdominanz für einen Bogenschützen bedeutet, muss man verstehen, was Augen beim Bogenschießen machen. Zunächst "visieren" wir ja mit beiden Augen ein Objekt an. Beide Augen liefern Informationen. Jedes Auge sieht ein anderes Bild und liefert deshalb andere Infomationen. Das Führungsauge ist der Chef und liefert die Hauptinformation. Diese wird vom Gehirn mit der Information vom nicht-führenden Auge abgeglichen, übernommen und dann unterdrückt. Wenn unserem Gehirn das Ganze plausibel erscheint, blendet es die Informationen des nicht-führenden Auges komplett aus. Dennoch braucht man für ein endgültiges Resultat das Ergebnis beider Augen. Und da dieser Prozess unendlich läuft, müssen beide Augen ständig offen bleiben.

Bei Systembögenschützen übernehmen Zieloptiken und Visiere die Funktion des zweiten, nicht-führenden Auges. Daher schließen diese Schützen meist, wie auch Gewehrschützen das "unwichtige" Auge.

Hat nun ein Rechtshänder ein rechtes dominantes Auge, ist das ideal. Er hält den Bogen in der linken Hand, zieht mit seiner kräftigeren rechten Hand die Sehne und sein rechtes Führungsauge ist dabei ganz nahe an der Sehne und am Ankerpunkt. Er erreicht so eine perfekte Linie von Ellbogenspitze über Ankerpunkt und Auge zur Pfeilspitze.

Hätte dieser Rechtshänder nun ein linkes Führungsauge, läge dieses in unserem obigen Beispiel deutlich außerhalb dieser perfekten Linie und damit neben dem anvisierten Ziel. Das heißt aber nicht, dass es nicht doch funktionieren kann.


 

Was tun bei Kreuzdominanz?

Kreuzdominanz kommt sehr selten vor und ist auch keine Krankheit, ist nicht gefährlich und hat keinen Einfluss auf die Abläufe des alltäglichen Lebens. Viele wissen gar nichts von ihrer Kreuzdominanz. Es stellt sich die Frage, wie ein kreuzdominanter Bogenschütze damit umgehen kann. Bei einem Schützen macht es sich gar nicht bemerkbar, sein Gehirn hat im Laufe des Lebens gelernt, damit umzugehen. Bei anderen Schützen muss man deutlich nachhelfen.

0. Schießbrillen

Es gibt zwar Schießbrillen-Hersteller, die in der Lage sind, Kreuzdominanz mittels spezieller Brillen "auszuschalten". Leider funktioniert das aber nur bei zielenden, einäugig schießenden Systembogenschützen.

1. Schach oder Rasenhalma spielen statt Bogenschießen

Nicht die attraktivste Alternative, aber eine einfache Lösung.

2. Andershänder werden

Du lernst, als Rechtshänder Linkshandschütze zu werden bzw. umgekehrt. Die einzig realistische Möglichkeit, wenn Bogenschießen noch Spass machen soll. Es ist nicht einfach und auch kein zu unterschätzendes Unterfangen, aber es ist möglich. Wenn man noch nie Bogenschütze war und das von Anfang an "falsch herum" trainiert, wird es funktionieren, sobald sich Körper und Geist daran gewöhnt haben (mit der schwächeren Hand ziehen ...). Die Augenproblematik spielt dann absolut keine Rolle mehr.

3. Sein Gehirn bescheissen

Das ist die mit Sicherheit langwierigste, ermüdenste, von unzähligen frustrierenden Fehlschlägen begleitete Variante. Sicherlich über Jahre hinweg muss der Betroffene sein Gehirn täuschen, bis dieses glaubt, dass das so sein muss. Ganz einfach gesagt - üben, üben, üben, trotzdem zu treffen, bis es immer besser klappt. Das Gehirn und der Körper werden sich irgendwann darauf einstellen.

4. Sein Gehirn ärgern

Ein bisschen unpraktisch und unkomod. Das Führungsauge zukleben oder eine engsitzende (Null-Stärken-)Brille mit abgeklebtem Glas vor dem Führungsauge tragen. Jetzt kommt der Clou: Da nun das zweite, für das räumliche Sehen nötige Auge und dessen Informationen fehlen, bleibt nur das Erlernen einer Zielart wie z.B. Gap-Shooting. Aber an dieser Stelle sind wir raus.

 

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