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Wenn nach allen Analysen, warum dein Pfeil seitlich abweicht, wie z.B. in unserem Artikel Pfeil trifft zu weit links oder rechts beschrieben, nur noch übrig bleibt, dass dein Pfeil zu hart oder zu weich ist, musst du dich mit dem Spinewert, dem dynamischen Spine und der Einflussnahme darauf befassen.

Zunächst muss aber der statische Spine einigermaßen passen. Das sollte der HdV oder dein Trainer für dich ermittelt haben. Wenn du das selbst gemacht hast, dann hast du hoffentlich alle Einflussfaktoren auf das tatsächliche Zuggewicht deines Bogens beachtet.


 

Der statische Spine

Das ist "nur" der Wert, der auf deinen Pfeilschaft (nicht bei Holzpfeilen) aufgedruckt ist. Dieser statische Spinewert ist ein weltweit gleicher Index zur Klassifizierung eines Pfeilschafts und beschreibt den Durchbiegewert, d.h. wie flexibel dieser Pfeilschaft grundsätzlich ist. Im theoretischen Aufbau, wie im Bild oben, wird ein definiertes Gewicht an einen Pfeil(schaft) gehängt, der in einem ebenfalls definierten Abstand auf zwei Punkten aufliegt. Dadurch biegt er sich mehr oder weniger. Beträgt der Abstand zwischen den gestrichelten Linien z.B. 0,5" (Zoll), dann hat der Pfeil einen statischen Spine von 500, beträgt der Abstand 0,8", ist der Spinewert 800. Je weiter sich der Pfeil durchbiegt, desto weicher ist er und desto höher ist die Zahl.

Je weniger Zuggewicht dein Bogen hat, desto weicher muss der Pfeil sein, damit er schwingen kann - und umgekehrt. Je mehr Kraft bzw. Energie du mit deinem Bogen auf einen Pfeil überträgst, desto härter und weniger biegsam muss der Pfeil sein. Andernfalls kann er brechen oder dein Bogen wird beschädigt.

Der Spinewert hat nichts mit dem Durchmesser eines Pfeilschafts oder dem Pfeilgewicht zu tun!

Gleich vorweg - du wirst es, egal ob dein Pfeil zu hart oder zu weich ist, nicht schaffen, aus einem 600er-Pfeil einen 800er oder umgekehrt zu machen. Bestenfalls einen Hunderter-Schritt. Wenn das nicht ausreicht, bleibt dir nur übrig, neue Pfeile anzuschaffen. Die gute Nachricht ist, dass du den Bogen behalten kannst.

Angenommen, der statische Spine deiner Pfeile stimmt grob, sie fliegen aber nicht sauber und treffen nicht dort, wo sie sollten, dann kannst du dich mit dem Feintuning befassen.


 

Der dynamische Spine

Das ist kein messbarer Wert, sondern das Ergebnis des Zusammenwirkens mehrerer Einflussfaktoren auf den statischen Spine. Diese sind:

  • Der Bogentyp (Form der Wurfarme)
  • Die Standhöhe des Bogens (Vorspannung der Wurfarme)
  • Das tatsächliche Zuggewicht des Bogens (Zuggewicht "auf den Fingern")
  • Das Bogengewicht (Anbauteile wie z.B. Bogenköcher)
  • Die Sehne (Material, Stärke, Anbauteile)
  • Die Pfeillänge (abhängig vom persönlichen Auszug)
  • Das Spitzengewicht

 


Vielleicht ist die Lösung deiner Pfeilflugprobleme auch eine Kombination aus den einzelnen Manipulationen. Arbeite dich Schritt für Schritt durch die Möglichkeiten, mische sie nicht planlos, sonst verlierst du den Überblick über die einzelnen Auswirkungen. Tu nur, was du dir wirklich selbst zutraust, sehr oft reicht das nämlich auch schon. Du solltest allerdings schon versuchen, den Zusammenhang der einzelnen Maßnahmen zu verstehen.


 

Der Pfeil ist zu hart

Wenn deine Treffer als Rechtshandschütze zu weit links liegen, reagiert dein Pfeil beim Abschuss zu hart. Er schwingt zu langsam und wird am Bogenfenster beim Recurvebogen bzw. der Pfeilauflage beim Langbogen nach links abgelenkt, weg gedrückt. Bei Linkshandschützen ist es die andere Seite.

Der Pfeil muss also weicher reagieren und somit mehr schwingen. Was kannst du tun?

1. Die Standhöhe verringern. Dadurch wird der Pfeil länger beschleunigt und reagiert dadurch weicher. Hier kannst du problemlos in 1/4"-Schritten experimentieren. Nicht exzessiv, das kann böse Auswirkungen auf den Bogen und deinen Unterarm haben. Sehne und Bogen müssen sich allerdings immer erst daran gewöhnen. Du solltest daher einige Durchgänge schießen, nicht nur drei, vier Pfeile, um ein verlässliches Ergebnis zu sehen. Dieses elementare Thema behandeln wir ausführlich in unserem Artikel "Die Standhöhe beim Bogen und warum sie so wichtig ist".

2. Verwende eine dünnere und damit auch leichtere Sehne oder ein anderes Sehnenmaterial. Eine dünnere Sehne (weniger Stränge) beschleunigt den Pfeil stärker, überträgt mehr Energie auf den Pfeil und zwingt ihn damit, sich stärker zu biegen. Die dünnere und leichtere Sehne heißt auch, dass der Bogen sich mit weniger Gewicht herumschlagen muss und somit mehr Energie für den Pfeil zur Verfügung steht. Aber denk daran, dass eine dünnere Sehne dann auch eine dünnere Mittenwicklung hat und du vielleicht Probleme bekommst, dass die Nocken nicht mehr sauber passen. Übertreibe auch hier nicht. Der Wechsel von einer 12-Strang-Sehne auf eine 10-Strang-Sehne ist in Ordnung, der Wechsel von 14 Strang auf 8 Strang kann ungeahnte Nebenwirkungen haben. Frag dann später deinen Arzt oder Bogenbauer. Du kannst, falls das dein Bogen zulässt, auch eine FastFlight-Sehne anstelle einer z.B. Dacronsehne verwenden, da FastFlight-Sehnen eine höhere Beschleunigung haben und mehr Energie abgeben. Einen extremen Einfluss würdest du feststellen, wenn du eine 16-Strang-Dacron-Sehne durch eine 8-Strang-FastFlight-Sehne ersetzt (das ist keine Empfehlung, sondern dient nur dem Verständnis).

3. Ersetze den Nockpunkt gegen einen leichteren. Wenn das für dich möglich ist, ersetze den Nockpunkt (meist der Messingring) durch einen aus Garn. Das verringert das Gewicht der Sehne. Solltest du Sehnendämpfer verwenden, entferne sie einfach mal. Auch das ist ein Gewicht, das den Bogen zusätzlich belastet.

4. Schwerere Spitzen verwenden. Das geht am einfachsten natürlich bei Schraubspitzen. Weniger für Einsteiger geeignet: Eingeklebte Spitzen musst du vorsichtig rausholen und schwerere Spitzen einkleben.

Durch Änderung des Spitzengewichts (schon ab 10 grain ist eine deutliche Änderung des Flugverhaltens feststellbar für geübte Bogenschützen) wird der Pfeil vorne schwerer, reagiert träger im Abschuss, biegt sich mehr durch und wird dadurch weicher. Hierbei solltest du aber wissen, was du tust und mach es nur in kleinen Schritten. Schwerere Spitzen machen einen Pfeil insgesamt auch schwerer und verändern den sogenannten FOC (nicht ganz so wichtig), der Pfeil wird kopflastiger. Neben den positiven Effekten, wie einem stabileren Pfeilflug, fliegt er halt auch nicht mehr so weit. Wenn du z.B. eine 85 grain Spitze gleich mal durch eine 145 grain Spitze ersetzt, geht dein Pfeil vermutlich bereits nach wenigen Metern auf Maulwurfjagd.

5. Leichtere Nocken, leichtere Federn verwenden. Das ist eher ein theoretischer Ansatz. Machst du den Pfeil hinten leichter, ist der Effekt ähnlich dem, wenn du ihn vorne schwerer machst. Nur - der Spielraum an Gewicht ist überschaubar gering. Also unsinnig.

 

Bitte Vorsicht: Zu weiche und damit in der Regel auch zu leichte Pfeile können knicken, splittern oder gar brechen. Schieße also nie zu leichte, zu weiche und beschädigte Pfeile. Das kann sehr gefährlich für dich und andere Bogenschützen sein.


 

Der Pfeil ist zu weich

Schlagen deine Pfeile eher rechts ein (bei RH-Schützen, bei LH-Schützen ist es umgekehrt), dann sind sie im Abschuss zu weich. Sie schwingen zu schnell, fliegen beim Abschuss einen Bogen um das Bogenfenster bzw. die Pfeilauflage und werden nach rechts abgelenkt.

Die Pfeile müssen also härter werden und weniger schwingen. Im Grunde genommen - mit der Ausnahme des Kürzens - sind die Möglichkeiten die Gegenteile der Maßnahmen, wie sie bei zu harten Pfeilen angewendet werden können. Das Kürzen der Pfeilschäfte ist die effektivste Tuning-Methode und ist als letzter Punkt aufgeführt.

1. Die Standhöhe vergrößern (siehe dazu auch "Die Standhöhe beim Bogen und warum sie so wichtig ist")

2. Verwende eine dickere und damit auch schwerere Sehne.

3. Ersetze den Nockpunkt durch einen schwereren.

4. Leichtere Spitzen verwenden.

5. Schwerere Nocken, schwerere (längere) Federn verwenden.

6. Kürze den Pfeilschaft. Das ist nur für geübte, handwerklich geschickte Bastler gedacht, die genau wissen, was sie tun. Es ist die sicherste Methode, aus einem weichen Pfeil einen harten zu machen. Wir beschreiben hier allerdings nicht die nötigen Werkzeuge und handwerklichen Schritte. Wenn du das nicht selbst machen kannst oder willst, sprich den HdV oder einen Vertrauten (Bogenschützen) an, der sich damit auskennt.

Zum Verständnis: Greife einen Pfeil(schaft) mit Zeigefinger, Mittelfinger und Daumen einer Hand an der Spitze und mit Zeigefinger, Mittelfinger und Daumen der anderen Hand an der Nocke. Biege ihn. Ein wenig. Das geht mit weicheren Pfeilen natürlich leichter. Du wirst feststellen, dass er sich relativ problemlos mehr oder weniger biegen lässt. Als nächstes wiederholst du das gleiche, die Finger jeweils um 10 cm nach innen zur Pfeilmitte hin versetzt. Geht´s noch? Dann mach das nochmal, so, dass du nur noch 10 cm Platz zwischen den Fingern der linken und der rechten Hand hast. Wenn du noch nicht genug hast, bringe deine Hände ganz zusammen und versuche den Pfeil in der Mitte zu zerbrechen. Es wird nicht klappen. Du siehst - dein Pfeil wird härter, je kürzer er ist, obwohl er noch immer den gleichen statischen Spinewert hat.

Wenn du also deinen Pfeil kürzt, wird er härter. Kürzt du deinen zu weichen Pfeilschaft - sagen wir mal - um 1 Zoll (2,54 cm) oder so, wirkt er härter, weniger biegsam. Er wird also weniger schwingen. Das wirst du subjektiv nicht feststellen können. Er wird allerdings auch leichter. Das heißt aber nicht, dass du 1 Zoll abschneiden sollst und damit du überhaupt noch irgendetwas abschneiden kannst, muss der Pfeil auch lang genug sein. In kleinen Schritten heranarbeiten!

Voraussetzung: Dein Pfeil ist lang genug, um ihn überhaupt noch kürzen zu können.

Nehmen wir an, dass dein Auszug 28" beträgt (Standard), dann sollten deine Pfeile als Einsteiger eine Gesamtlänge von 30" - 31" haben, vor allem aber nicht weniger als 29". Das gibt den Spielraum vor, in dem gekürzt werden kann. Lieber kürzt du erstmal weniger und spielst zusätzlich mit dem Spitzengewicht. Und merke: abgeschnitten ist gleich was, verlängern geht nicht.

Beispiel: Einsteiger, die sich bei uns Pfeile bauen lassen, erhalten immer etwas zu lange und damit bewusst zu weiche Pfeile. Wir gehen immer von der Zukunft unserer Schüler und der Entwicklung des persönlichen Auszugs - der wird nämlich mit der Zeit größer, also wachsen - aus. Dadurch steigt auch die Zugkraft, die der Bogen entwickelt. Demzufolge bräuchte der Schütze neue, härtere Pfeile. Um das zu vermeiden und die vorhandenen behalten zu können, halten wir uns die Möglichkeit offen, die Pfeile noch ein wenig kürzen zu können, um sie härter zu machen.

Weitere Infos zu diesem umfassenden Thema findest du unter dem Punkt Pfeilbau und Pfeiltuning oder doch Fertigpfeile bei Technik für Fortgeschrittene in unserem Qwiki.


 

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