Bogensehne

Bogensehne mit Sehnendämpfer

Echte Tiersehnen sind das heute natürlich nicht mehr, auch keine Tierdärme, keine geflochtenen Gräser und auch keine Lianen. Das Stückchen "Schnur" zwischen den beiden Enden deines Bogens besteht heute aus HighTec-Garn(en). 


 

Passende Sehne zum Bogen

Wenn du dir einen Bogen leihst oder kaufst, wird eine Sehne normalerweise mitgeliefert. Oft handelt es sich dabei um relativ "simple" und preiswerte Dacronsehnen, die auch völlig ausreichend sind. Fortgeschittene verwenden gerne FastFlight-Sehnen, die auf einfachen Bögen meist nicht geschossen werden dürfen. Diese Sehnen belasten einen Bogen extrem stark. Kläre bitte, ob dein Bogen fastflight-tauglich ist, bevor du eine solche Sehne benutzt.

Natürlich gibt es auch Bögen, die von Haus aus mit einer FastFlight-Sehne ausgestattet sind.


 

Warum ist das denn wichtig, wenn doch schon eine Sehne auf dem Bogen drauf ist?

Mit der Sehne ist es wie mit einem Autoreifen. Je mehr und rasanter du fährst, desto eher brauchst du neue Schlappen. Wenn du also viel schießt und deine Sehne nicht brav pflegst (Sehnenwachs), wird sie irgendwann spröde und, wenn du nicht aufpasst, reissen. Auch die Alterserscheinungen sind nicht zu unterschätzen. Eine Sehne ist ein Verbrauchsmaterial. Wir tauschen unsere Sehnen 1 - 2 mal im Jahr aus, auch dann, wenn sie noch keinen größeren Verschleiss oder Beschädigungen zeigen. Reine Vorsichtsmaßnahme.

Eine Sehne kann auch reissen, wenn du sie versehentlich und unbemerkt beschädigt hast.

Unseren Kunden empfehlen wir immer Ersatzsehnen, die sie auch immer beim Bogenschießen dabei haben sollten. Ist man nämlich z.B. auf einem 3D Parcours unterwegs und die Sehne auf dem Bogen macht sich langsam vom Acker, kann der Spass durch Austausch der Sehne in Kürze weitergehen. Anders ausgedrückt - keine Sehne dabei, Spass vorbei.

Kaufst du einen Bogen, kauf´ eine Ersatzsehne dazu. Brauchst du später nochmal eine Sehne, solltest du die, falls du keine anderen Quellen hast, bei deinem Händler unter der Angabe der Bogendaten bestellen können. Du brauchst dich somit auch nicht um die Länge oder Ausführung genauer zu kümmern.


 

Die Länge der Sehne

Wenn du einen Bogen kaufst, dann ist die Sehne normalerweise dabei. Wenn du eine Sehne nachbestellst, reicht es meistens, wenn du Bogenart, Länge des Bogens und Länge der Sehne angibst. Du solltest auch, falls es keine Standardsehne ist, angeben, wo die Mittenwicklung (siehe auch weiter unten) anfängt und wo sie aufhört. Vergiss auch nicht, die Position des Nockpunktbegrenzers anzugeben oder mach´ ihn selber drauf.

Bei Recurves sind die Sehnen zwischen 3" und 4" kürzer als die angegebene Länge des Bogens, bei Hybrid- und Langbogen sind sie zwischen 2 1/2" und 3" kürzer. Pauschal gilt das aber nicht.

Wenn die Länge nicht genau passt, kann sie durch Ein- und Ausdrehen moderat gekürzt und verlängert werden. Dabei gilt - besser Ein- als Ausdrehen.

Beispiel bei einem unserer Recurves: Bogenlänge ab Bogenbauer 62", Sehnenlänge 58,5" bzw. ca. 148,5 cm. Also bestellt oder baut man die Sehne mit 59" Länge und dreht sie anschließend ein.

Wenn du eine Sehne für einen Recurve bestellst, musst du das angeben, damit das obere Öhrchen größer gefertigt wird (siehe auch weiter unten).


 

Die Sehne an sich

Es gibt verschiedene Sehnentypen, Materialien, unzählige Farben und Farbkombinationen. Gebräuchlich sind sogenannte Endlossehnen und flämisch gespleisste Sehnen, das ist die Häkeltechnik, also die Machart. Auf die Endlossehnen gehen wir hier nicht ein, da diese beim traditionellen Bogenschießen keine Rolle spielen.

Sehnen flämisch gespleisst

 

Das Flämische Spleissen kommt ursprünglich aus dem Seilbau und bezeichnet die besondere Art, aus zwei Kardeelen (farbige Bündel) an beiden Sehnenenden die Öhrchchen (auch Augen - Augspleiss) zu binden, die anschließend in die eigentliche Sehne übergehen. Die Öhrchen und die Sehne selbst werden extrem stabil, da sich die gegengewickelten Kardeele unter Zugbelastung verklemmen. Eine so gebundene Sehne ist also ein dünnes Seil, das sich durch die Wicklung bzw. Bindung selbst zusammen hält. Es gibt keinerlei andere Befestigungen.

Nach dem Spleissen, dem Verdrillen der einzelnen Farben der Sehne und vor der Fertigstellung sieht so eine Sehne schon mal etwas desolat aus, wie bei der schwarz-goldenen Sehne. Diese Fransen sind völlig normal in der Produktion. Man schneidet sie einfach ab und verschmilzt die Reste mit einem Feuerzeug. Dann sieht es so aus, wie bei der grün-pinkfarbenen Sehne. Wenn deine Sehne ebenfalls solche Fransen zeigt, lässt du das entweder so oder du fackelst sie einfach ab. Das ist weder eine Beschädigung noch eine Auflösungserscheinung.

Flämisch gespleisste Sehne

 

Dieses Seil bekommt im mittleren Bereich eine sogenannte Mittenwicklung. Auch diese besteht aus einem sehr strapazierfähigen Hochleistungsgarn und wird um die Sehne gewickelt. Die Mittenwicklung verstärkt die Sehne und schützt sie vor Beschädigungen z.B die Stelle, an der du ständig deine Pfeile einnockst und der Bereich, der immer am Armschutz vorbeischreddert oder ihn trifft. Auch die drei Finger deiner Zughand reiben beim Ziehen und Lösen der Sehne, sodass die Sehne ohne Schutz relativ schnell durchgescheuert wäre. Oberhalb des Nockpunktbegrenzers ist das lediglich der Bereich für deinen Zeigefinger. Daher ist dieser Teil auch kürzer, als der untere Teil der Mittenwicklung. Auf die Mittenwicklung wird auch der Nockpunktbegrenzer aufgepresst.

Mittenwicklung Bogensehne

 

Damit die Sehne oben und unten beim Bogen in den Tips eingehängt werden kann, haben alle Sehnen sogenannte Öhrchen. Diese werden während der Bindung der Sehne, gleich mit eingeklöppelt. Auf den Öhrchen liegt die größte Last beim Bogenschießen. Daher sollte man sie auch regelmäßig auf Beschädigungen prüfen.

Nach dem Abspannen bleibt in der Regel die Sehne auf dem Bogen. Dazu hängt man das obere Öhrchen aus und schiebt es über den Wurfarm. Das untere Öhrchen bleibt im unteren Tip eingehängt und wird dort fixiert z.B. mit einem Sicherungsring. Das obere Öhrchen wird mit einem Sehnenhalter fixiert.

Um das obere Öhrchen über den Wurfarm schieben zu können, muss es natürlich groß genug sein. Langbögen und Hybridbögen haben relativ schlanke Wurfarme. Daher können die Öhrchen der Sehnen auch klein sein. Sie sind daher bei diesen Bögen auch gleich groß. Bei Recurvebögen mit oft deutlich breiteren Wurfarmen ist das obere Öhrchen daher auch immer größer, als das untere.

Öhrchen Bogensehne


 

Woraus besteht eine Sehne?

Eine Sehne ist nichts anderes als ein Seil. Ein Seil wird erst ein Seil indem man mehrere Stränge eines "Materials" miteinander verdrillt. Je mehr Stränge ein Seil hat, desto stabiler ist es.

Sehnengarn

Eine Sehne besteht aus dem Sehnengarn, das, wie Nähgarn, als Faden auf Spulen oder Spindeln geliefert wird. Der Garnfaden wird auch als Strang bezeichnet und besteht aus feinsten Fasern. Fasst man mehrere Stränge zusammen, spricht man von einem Kardeel oder Bündel.

Sehnengarn

Entweder hast du das schon gelesen oder du hast das Wissen von deiner eigenen Sehne - man spricht von 12-Strang-Sehnen, von 16-Strang-Sehnen usw. Immer sind es gerade Zahlen an Strängen. Meist sind die Sehnen dabei zweifarbig.

Hast du eine 14-Strang-Sehne, dann besteht die aus 7 Strängen (ein Bündel) in einer Farbe und 7 Strängen (ein weiteres Bündel) in der zweiten Farbe. Das sollten wirklich immer gerade Zahlen sein, da andernfalls, wenn ein Bündel dicker als das andere ist, die Sehne nicht gleichmäßig wird.

Flämischer Spleiss Bogensehne

Diese beiden Bündel werden jeweils zunächst je Bündel in sich zusammengedreht, sodass sie ein kleines Seilchen ergeben und dann mit dem anderen Bündel gegenläufig verdrillt.

Um jetzt unsere Sehne fertig zu bauen, brauchen wir ein Sehnenbrett oder einen Sehnengalgen.

Ab hier verweisen wir auf unzählige Videos im Internet. Das würde für Einsteiger an dieser Stelle zu weit führen.


 

Die richtige Strangzahl

Die Frage nach der richtigen Strangzahl und damit der Sehnenstärke kann man nicht allgemein gültig beantworten.

Da muss man ein paar Fakten abwägen - je mehr Stränge eine Sehne hat, desto dicker wird sie. Sie wird auch schwerer und nimmt dadurch dem Bogen einen gewissen Anteil seiner Leistung weg. Ein Bogen schießt sich aber meist komfortabler und ruhiger, wenn die Sehne ein wenig dicker ist und der Bogen selbst wird deutlich weniger belastet. Die Stärke der Sehne hat einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf den dynamischen Spine.

Es macht also wenig Sinn auf einen Bogen, aus dem du 20# Zuggewicht rausholst, eine 16-Strang-Sehne zu montieren. Die ist einfach zu schwer und minimiert die Leistung noch weiter. Passieren wird weiter nix.

Bei einem Zuggewicht von 40# eine 10-Strang-Sehne aus HighTec FastFlight zu schießen, ist extrem fahrlässig. Nicht, dass wir so etwas nicht schon gesehen hätten.

Je mehr reales Zuggewicht du hast, desto dicker sollte die Sehne sein. Vor allem, wenn du einen Recurve schießt. Die Sehne "knallt" ja nach dem Abschuss immer auf die Recurves der Wurfarme. Wenn du nun eine sehr dünne Sehne bei hohem Zuggwicht auf die armen Wurfarme klatschen lässt, tut das dem Bogen nicht lange gut und wird wohl auch laut, zumindest deutlich hörbar sein. Zu den Geräuschen, die ein Bogen machen kann lies bitte den Artikel Mein Bogen ist sehr laut, woran kann das liegen? in unserem Technik-Blog.

Wir setzen bei unseren Schülern und Kunden, auch bei uns selbst, bei realen Zuggewichten (auf den Fingern) von 25 - 40# in der Regel 14-Strang-FastFlight-Sehnen ein. Darunter 12-Strang-Sehnen und darüber bis maximal 45# Zuggewicht 16-Strang-Sehnen. In seltenen Ausnahmen, wenn sich z.B. ein Bogen, aus welchen Gründen auch immer, etwas zu laut verhält, bekommt er eine um 2 Stränge stärkere Sehne. Falls wir mal einem 20Pfünder etwas mehr Leben einhauchen müssen, bekommt der eine 10-Strang-FastFlight verpasst.

Eine vorhandene Sehne durch eine mit höherer oder niedrigerer Strangzahl auszutauschen, empfiehlt sich nur dann, wenn du genau weißt, was du tust. Du änderst dadurch den dynamischen Spine, was bedeutet, dass deine Pfeile sich deutlich anders verhalten können. Ergänzende Infos findest du im Artikel Pfeil zu hart, zu weich - der Spine.


 

FastFlight vs. Dacron

Diese Bezeichnungen hast du oben schon gelesen. Hier geht es jetzt nur um den grundsätzlichen Unterschied.

Beide Sehnenmaterialien - FastFlight ist eigentlich ein eingetragenes Markenzeichen eines Herstellers und hat sich so für eine Produktgruppe etabliert, wie Tempo für Papiertaschentücher - sind Kunststoffgarne.

Dacron ist recht preisgünstig, was sich in der Folge auch auf die Preise von fertigen Sehnen niederschlägt, FastFlight-Garne erreichen dagegen schon mal exorbitant hohe Preislagen. Ob es dabei immer die teuerste Ausführung sein muss, ist mehr als fraglich.

Grundsätzlich aber ist FastFlight dem Dacron vorzuziehen. Unserer unmaßgeblichen Meinung nach.

Fertige Dacron-Sehnen eignen sich für "billige" Bögen, für ältere Bögen und Selbstbau-Bögen, da sie die Bögen nicht sehr stark belasten und preisgünstig sind. Sie haben im Abschuss etwas "Gummiartiges", so wie ein Bungeeseil, sind relativ flexibel und elastisch. Ein Bogensehnenleben lang. Stellt man einen Vergleich mit Musik an, wäre der Begriff SWING ganz gut geeignet. Das ist aber alles nichts Schlechtes. Viele traditionelle Bogenschützen nutzen Dacron-Sehnen, um ihre selbstgeschnitzten Bögen nicht über Gebühr zu belasten.

HARD ROCK oder HEAVY METAL trifft dann auf FastFlight-Sehnen zu. Sie sind relativ hart, starr, erinnern manchmal eher an Stahlseile, dehnen sich nur am Anfang ihres Lebens ein wenig nach und entwickeln deutlich mehr Power.

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