Pfeile selber bauen, Sehnen selber häkeln?

Pfeile und Sehnen selber bauen

Wir haben lange mit uns gerungen, ob wir uns diesen Artikel antun sollen oder nicht. Hauptgrund war, dass dieses Thema für Einsteiger völlig überzogen und unrealistisch ist. Andererseits gibt es Technikfreaks und ernsthaft Interessierten einen tieferen Einblick in die Pfeilphysik und den so wichtigen dynamischen Spine.

Nun gut, pack mer´s ... Erstmal das einfachere Thema.


 

Sehnen selber herstellen

Das Fazit vorweg genommen lautet - kann man machen, muss man aber nicht.


Zur Grundinformation solltest du vorab unseren Artikel Bogensehne gelesen haben.


 

Wie viele Sehnen braucht´s denn?

Selbst ambitionierte fortgeschrittene Bogenschützen mit, sagen wir mal zwei Bögen, benötigen im Jahr normalerweise nicht mehr als zwei Sehnen, je Bogen eine. Wenn sie ihre Sehnen exzessiv strapazieren und diese vielleicht rein prophylaktisch einmal im Jahr tauschen, vielleicht vier.

Selbst wenn ein Bogenschütze, wie wir, vier Bögen hätte, würde sich daran nicht viel ändern, da er ja gar nicht so viel mehr schießen kann, nur weil er mehr Bögen hat. Also werden auch die Sehnen nicht so schnell wieder fällig.

Wir empfehlen jedem Schüler und Kunden, ständig eine Ersatzsehne dabei zu haben, denn es kann immer irgendetwas passieren. Diese Ersatzsehne kommt aber nur im Katastrophenfall zum Einsatz. In diesem Fall kann man sich dann zeitnah eine neue Sehne besorgen.

Eine brauchbare Sehne kostet je nach Material, Qualität und Hersteller zwischen € 10,00 und € 25,00. Grob. Brauchst du also wirklich vier Sehnen der gehobenen FastFlight-Mittelklasse, bist du mit € 100,00 dabei und kannst so aber mit zwei Bögen bis zu zwei Jahren problemlos leben. Brauchst du die günstigeren Dacron-Sehnen sind es € 40,00.


 

Überlegungen vorab

Du musst wissen, dass durch jede Änderung einer Sehne, sowohl was das Material als auch was die Strangzahl und die Machart angeht, der dynamische Spine mehr oder weniger verändert wird. Das kann ungeahnte und vor allem unbeabsichtigte Folgen haben.

Als Beispiel soll dir dienen: Auf unseren ersten Bögen, baugleiche Jagd-Recurves mit 30# und 35# Zuggewicht, waren die mitgelieferten billigen china-made 14-Strang FastFlight-Sehnen montiert. Wir hatten irgendwann die passenden Standhöhen herausgefunden und unsere Pfeile flogen auch recht gut und dorthin, wohin sie sollten.

Nun kommt der Schlaumeier ins Spiel. Wir wollten aus dem Vorhandenen mit natürlich besserem Material mehr heraus holen. Nach umfangreicher Recherche im Internet, sind wir auf die damals höchstgelobten WhisperString-Sehnen eines hier nicht genannten Anbieters aufmerksam geworden. Schnell, kraftvoll und dennoch leise. Für 30# Zuggewicht wurde eine 8-Strang-Sehne empfohlen, für 35# ebenso bedenkenlos 10-Strang. Gelesen, bestellt und montiert. Einer unserer ersten großen Fehler.

Was vorne aus unseren Bögen raus kam, erinnerte eher an Kunstflug als an ordentlichen Pfeilflug. Das Bogengeräusch war nicht laut, es war unerträglich. Unsere Ergebnisse schlechter als vorher.

Was war passiert? Erst viel später wussten wir, dass wir gleich mehrere Faktoren an unserem Setup geändert hatten und das mit nur einer Sehne.

Das wirklich gute Material der Sehne war so gnadenlos hart, dass uns unsere vorhandenen Sehnen wie Gummiseile vorkamen. Dadurch, dass die Sehnen dünner waren, war logischerweise auch der Spleiss, das obere und untere Ende der Sehne mit den Öhrchen, dünner. Als diese dünnen Enden dann, was normal ist, nach dem Lösen auf die Recurves knallten, war das nicht zu überhören und die Bögen flogen uns fast aus den Händen.

Auch die Mittenwicklung war - ebenfalls logisch - dünner, so dass unsere Nocken zu locker saßen und kaum nachzubiegen waren.

Der gravierenste Unterschied aber war die auf den Pfeil übertragene Energie. Dass es mehr sein würde, wussten wir. Wieviel mehr es tatsächlich war, wussten wir dann auch. Unsere Pfeile wurden derart beschleunigt, dass sie sich viel zu stark gebogen haben. Unsere Pfeile waren für diese Sehnen einfach viel zu weich.

Zu diesem Thema gibt der Artikel Pfeil zu hart, zu weich - der Spine einen genaueren Einblick.

Du solltest also vorher schon wissen, was du vorhast und was auf dich zukommen kann, wenn du dir deine Sehnen selber baust. Wenn du das verinnerlicht hast, können wir weitermachen.


 

Was braucht man für den Sehnenbau und was kostet das alles?

Du brauchst Platz und gute Nerven. Das kostet soweit noch nix.

1. Als erstes brauchst du Garn, mindestens zwei Spulen mit Sehnengarn, eine je Farbe. Schon, wenn du nur mit den Farben spielen oder unterschiedliche Materialien ausprobieren willst, werden es mehr Garnspulen. Wenn du in den Sehnenbau einsteigen willst, fang´ mit kleinen Spulen an, meist mit 1/8 lbs. bezeichnet, wenn du sie bekommst. Das ist weniger Material als bei den 1/4 lbs. Spulen, die sind jedoch gängig. Noch größere Spulen empfehlen sich definitiv nicht.

Sehnengarn Spulen

 

Du solltest bereits wissen, ob du Dacron-Sehnen oder FastFlight-Sehnen willst bzw. brauchst und ob du FastFlight auf deinem Bogen überhaupt schießen darfst. Zum Unterschied der Materialien erfährst du mehr im Artikel Bogensehne.

Such´ dir erst einmal nur zwei Farben aus, mit denen zu leben kannst. Und es muss nicht das hochgepriesene und schweineteure HighTec-Material sein. Wir z.B. verwenden in der Regel - das soll keine Werbung sein - BCY Spectra 652 und BCY D97, beide sogenannte FastFlight-Garne. Das viel güstigere Dacron-Material spielt bei uns keine Rolle.

Eine Rolle "unseres" Garns kostet handelsüblich und derzeit (Stand 01-2022) zwischen € 42,00 und € 50,00 in der 1/4 lbs.-Version

An dieser Stelle der wichtige Hinweis:

Mische nie Garne verschiedener Hersteller und Typen!

 

2. Um Sehnen binden zu können, benötigst du ein Sehnenbrett. Ein solches bekommst du bei allen möglichen Anbietern um die € 60,00 und sie funktionieren immer gleich. Keinen Exoten nehmen.

Sehnenbrett Sehnenbau Bogenschießen

 

Diverse Werkzeuge wie Schraubzwingen, Cutter, scharfe Schere, Klemmen, Nähnadel, gutes Sehnenwachs ... das hast du entweder schon oder es gibt das Zeug für kleines Geld.

Werkzeug zum Sehnenbau

 

3. Wenn die Sehne fertig ist, dann ist die sogenannte Mittenwicklung dran, die mit Mittenwicklungsgarn auf die fertige Sehne gewickelt wird. Hier solltest du allerdings nicht knausrig sein und lieber das wirklich bessere und besser zu verarbeitende Material nehmen. Wir verwenden aktuell das Bearpaw Wickelgarn für FastFlight-Sehnen (auch keine Werbung) für ca. € 27,00.

4. Um nun dieses Mittenwicklungsgarn ordentlich auf die Sehne zu bekommen, benötigst du ein Mittenwicklungsgerät. Auch hier wieder die besseren von Bearpaw oder Beiter nehmen für € 25,00 - € 30,00.

Mittenwicklungsgerät Bogensehne

 

5. Um letztendlich den Nockpunktbegrenzer auf die Mittenwicklung zu setzen, brauchst du eine Nockpunktzange. Du ahnst es schon - die bessere nehmen, mit der man Nockpunktbegrenzer auch wieder entfernen kann, ohne die Sehne zu verletzen. Weitere ca. € 20,00.

Nockpunktzange

 

Bevor du also die ersten Gehversuche im Sehnenbau machst, bist du schon mal mit € 220,00 (zzgl. Versandkosten) aufwärts dabei.


 

Sehnenbau ist nicht wirklich kostenintensiv und wenn man sich nicht zu sehr austobt, bleibt´s bei überschaubaren Kosten. Auf den Garnspulen sind so viele Meter Material drauf, dass du auch mal die ein oder andere Sehne "vergeigen" kannst und trotzdem noch bis 2029 Sehnen bauen kannst.

Ob du dir das Sehnenbauen zutraust, ob du es als Investition in ein Hobby siehst und ob es sich rechnet, ist letztendlich dir überlassen. Es ist schon schön, sagen zu können "ich baue meine Sehnen selbst" und noch schöner ist es, wenn sie am Ende auch frustfrei funktionieren. Zum Problem könnte allerdings werden, dass du zu wenige Sehnen bauen wirst und daher nicht in der Übung bleibst. Das ist die Basis für Fehler.

Wenn du dich dafür entscheidest, bestelle dir die benötigten Teile und recherchiere ein wenig. Anleitungen zum Sehnenbau findest du im Internet zuhauf. Die meisten sind recht gut und verständlich. Daher verzichten wir an dieser Stelle darauf, das Rad neu zu erfinden.


 

Pfeile selber bauen (Carbonpfeile)

Auch hier das Fazit vorweg - ein teurer Spass, aber ein geiles Gefühl.


 

Woher kommt´s

Ganz am Anfang unserer Karrieren haben auch wir unsere Pfeile beim Händler mit eher weniger kompetenter Beratung gekauft. Dann kamen erste zaghafte Fehlversuche, Passendes im Internet zu bekommen. Letztendlich auch nicht mit dem gewünschen Wow-Effekt. Mit wenigen Ausnahmen.

Irgendwann kam dann der Moment, an dem wir wussten, was wir und unsere Lieferanten falsch gemacht hatten. Es folgte die einzig sinnvolle Entscheidung - selber machen.

Mittlerweile haben wir mehrere tausend Pfeile gebaut, anfangs nur für uns selbst und für die unterschiedlichsten Anwendungen. In dieser Phase des Lernens haben wir viel Lehrgeld bezahlt, haben uns schwarz geärgert, wollten alles in die Ecke feuern - heute lachen wir drüber und nutzen diese Erfahrungen, um andere vor den gleichen Fehlern zu bewahren.

Wir können schon mit ein bisschen Stolz behaupten und unter Beweis stellen, dass wir wissen, was wir tun und saugute Pfeile bauen.


 

Braucht´s des?

Wie auch bei den Sehnen oben, musst du dir überlegen, ob das Pfeileselberbauen Sinn für dich macht und vor allem, welchen.

Wenn du nur einen Bogen, einen dazu passenden Satz Pfeile hast oder brauchst, als normaler Bogenschütze unterwegs bist und du mit deinen Ergebnissen zufrieden bist, was sollte dich veranlassen, dir deine Pfeile selber zu bauen?

Geld sparen? Die Nummer geht nicht auf. Das rechnet sich nie. Du brauchst vielleicht mal ein paar Ersatzpfeile oder einen komplett neuen Satz. Dann weißt du ja, was vorher funktioniert hat. Bestelle die gleichen einfach wieder oder kaufe sie da, wo du die anderen auch gekauft hast. Das gilt auch, wenn du mehrere Bögen hast und die jeweils funktionierenden Pfeile dazu.

Wenn du noch nie Pfeile hattest und dir daher schon deine ersten Pfeile selbst bauen willst, können wir nur sagen: Lass es lieber! Da helfen dir auch unsere nachfolgenden Beschreibungen und Tutorials im Internet nicht, da dir jegliche Erfahrung fehlt.


 

Wann geht die Rechnung auf, wann macht es Sinn?

Wenn du nicht selbst wirklich viele Pfeile für dich baust oder eventuell für Familienmitglieder oder Freunde (vorsicht dabei), wird sich die Investition nie rechnen! Aus finanzieller Sicht. Ganz einfach.

Aber wir alle geben oftmals Geld aus für Dinge, die uns einfach Spass oder Freude machen. Wenn du Freude daran hast, etwas - irgendwann einmal auch Funktionierendes - zu erschaffen, dann kann die Investition natürlich Sinn machen. Sinn macht es auch, wenn du die Technik, die Finessen und auch die Fallstricke dahinter verstehen lernen willst. Und wenn es durch eigene Fehler ist.

Damit du dir auch die Basis schaffen kannst, sollte dein Weg auf jeden Fall folgender sein:

Richtig Bogenschießen lernen

Lernen, den richtigen Pfeil zu ermitteln

Den ermittelten Pfeil richtig bauen

Erst wenn du einen gefestigten Schießstil hast, konstante Ergebnisse mit deinem vorhandenen Equipment erzielst, deine eigenen Schießfehler erkennen und abstellen kannst, kannst du anfangen zu lernen, wie man den passenden Pfeil ermittelt und wo die Probleme und ihre Lösungen sein können.

Wenn du dann einen passenden Pfeil in der Theorie ermitteln kannst oder glaubst, es zu können, kannst du einmal einen Feldversuch starten und dir mit den von dir ermittelten Daten drei, vier Pfeile bauen lassen. Oder aber du bestellst die Einzelkomponenten und baust sie selbst zusammen. Dann wirst du recht schnell feststellen, ob das Resultat zu deiner Vorstellung passt.

Zu diesem Zeitpunkt hat das aber noch rein gar nichts mit wirklichem Pfeilbau zu tun. Erst wenn du mit den einzelnen Faktoren zu spielen gelernt hast und diese entsprechend ändern und manipulieren kannst, dann näherst du dich dem richtigen Pfeilbau.


 

Wenn du es nun wirklich wissen willst ...

 


 

So geht Pfeilbau - die Theorie

Wir setzen voraus, dass du richtig Bogenschießen kannst, dass du deine Daten und die technischen Daten deines Bogens kennst und für diesen Bogen Pfeile bauen (lassen) willst.

Sollten dir die im Bogensport üblichen und nachfolgend verwendeten Gewichts- und Längenangaben wie "Pfund", "Zoll", Grain" etc. noch fremd sein, dann lies bitte vorher den Artikel Das Maß aller Dinge.

Zunächst - damit fängt alles an - musst du dir über alle Faktoren im Klaren sein, die den dynamischen Spine definieren. Das kannst du nochmals nachlesen in unserem Artikel Pfeil zu hart, zu weich - der Spine.


 

Den dynamischen Spine verstehen

Der dynamische Spine definiert sich hauptsächlich durch Zusammenwirken von Bogentyp, tatsächlichem Zuggewicht, Art und Stärke der Sehne, Pfeillänge und Spitzengewicht.

Zusätzlich machen sich ein angebauter Bogenköcher und die Standhöhe bei der Dynamik des Bogens bemerkbar.

Auch montierte Sehnendämpfer und die Länge sowie Dicke der Mittenwicklung nehmen einen, wenn auch geringen, Einfluss. Sie werden aber nicht wirklich bei den Berechnungen berücksichtigt.


 

Bogentyp

Der Bogentyp sollte dir ja bekannt sein. Da geht es um Recurve, Hybrid- und Langbogen. Wenn du die Unterschiede, speziell auf die Leistungscharakteristik bezogen nicht kennst, lies das bitte vorher noch in unserem Bogenfinder durch.


 

Zuggewicht

Wenn du genau wissen willst, welches Zuggewicht dein Bogen hat, musst du das mit einer Bogenwaage ermitteln. Der vom Hersteller angegebene Wert stimmt oftmals nicht (genau). Anhand der 5%-Regel kannst du anschließend das tatsächliche Zuggewicht errechnen. Das kannst du im Artikel Zuggewicht nachlesen.


 

Sehnenart und Sehnenstärke

Art und Stärke der Sehne bedeutet, dass du das verwendete Sehnenmaterial und die Strangzahl der Sehnen kennen musst. Das Wichtigste steht ja schon weiter oben in diesem Artikel. Den Rest findest du im Artikel Bogensehne.


 

Pfeillänge

Die Pfeillänge sollte ca. 1 1/2" mehr als dein persönlicher Auszug betragen. Diesen musst du kennen und du brauchst ihn auch, um das o.g. tatsächliche Zuggewicht angeben zu können.


 

Spitzengewicht

Das Spitzengewicht ist zunächst einmal ein theoretischer Wert und dient erst später als flexibler Faktor (Spielball) bei der exakten Berechnung.


 

Erst wenn hinter all diesen Punkten ein grüner Haken ist, kannst du anfangen und ...

 


 

Den statischen Spinewert deiner Pfeile ermitteln

Erst die Faktoren zur Berechnung des dynamischen Spines ermöglichen dir, den statischen Spine zu ermitteln. Im Internet findest du dazu unzählige Spinewerttabellen und Spinewertrechner. In beiden kannst du deine Daten zur groben Berechnung des Spinewerts deiner Pfeile nutzen. Die Tabellen haben den Nachteil, dass sie nicht genügend Einflüsse berücksichtigen, meist nur Bogenart, Zuggewicht und Auszugslänge und sie verzichten auf entscheidende Zwischenwerte. Die Spinewertrechner berücksichtigen mehr Faktoren, rechnen aber sehr unterschiedlich und teilweise völlig falsch. Zur Orientierung reichen die meisten aber aus.

Da das aber nicht zielführend ist, haben wir unseren eigenen, schon seit Jahren offline bewährten Spinewertrechner nun umgeschrieben und stellen ihn ab sofort auf dieser Website zur Verfügung.

Spiele ruhig ein wenig herum, denn das musst du ohnehin tun, um zu verstehen, wie schwierig diese Berechnungen sein können. Am Ende ist ein Spinewertrechner aber nur ein nützliches Spielzeug, nicht mehr und nicht weniger. Er bietet dir allerdings im Schnellzugriff die Möglichkeit, an den Stellschrauben zu drehen und sofort die Auswirkungen von Änderungen zu sehen.

Selten, eigentlich nie, kommt bei den Berechnungen in Spinewertrechnern ein glatter Wert wie 800 heraus. Das macht aber nichts, ganz im Gegenteil.


 

Nehmen wir folgendes Beispiel zum Verständnis (gib diese Werte ruhig mal in unserem Spinewertrechner ein):

  • Hybridbogen
  • FastFlight-Sehne 14 Strang
  • Kein Bogenköcher
  • 35# Zuggewicht
  • Persönlicher Auszug 27 1/4" (ergibt nach der 5%-Regel ein tatsächliches Zuggewicht von 33,69#)
  • Pfeillänge 28 3/4" (1 1/2" länger als dein persönlicher Auszug)
  • Spitzengewicht 97gn (Insert 12 Grain, Schraubspitze 85 Grain)

Eine seriöse Berechnung - nämlich unsere - ergibt dabei einen statischen Spinewert für Carbonpfeile von 757 (Holzpfeile ca. 42# by the way). Auf den ersten Blick ein unguter Wert, denn solche Pfeilschäfte gibt es nicht.

700er Pfeilschäfte wären nominell zu hart, Schäfte mit Spine 800 wären zu weich (Pfeil zu hart, Pfeil zu weich - der Spine).

Nun gilt der Grundsatz: Besser den höheren Wert nehmen, wenn der errechnete Wert ab der Mitte zwischen zwei 100er Schritten aufwärts liegt, also in diesem Fall die 800. Diesen weicheren Schaft härter reagieren zu lassen, ist einfacher, als den 700er Schaft weicher zu machen.


 

Was kannst du tun und was solltest du tun?

Du solltest - in diesem Fall - genau die errechneten Komponenten verwenden. Der Spinewert, den die Hersteller angeben, stimmt ohnehin nur in den seltensten Fällen und kein Hersteller gibt wirklich an, auf welche genaue Länge sich dieser aufgedruckte Spinewert bezieht.

Die meisten handelsüblichen Pfeilschäfte sind 32" lang. Die kannst du dann auf deine gewünschte Länge kürzen (lassen). Durch Kürzen wird ein Schaft härter, aber niemand kann vorher sagen, um wieviel härter.


 

Stell´ dir mal folgendes vor: Du nimmst eine Dachlatte, legst sie auf zwei Punkten auf, die zwei Meter auseinander und entsprechend hoch liegen. An diese Dachlatte hängst du einen schweren Koffer oder eine volle Getränkekiste. Sie biegt sich dann deutlich messbar durch. Nun änderst du die Distanz der Auflagen auf einen Meter und hängst wieder das gleiche Gewicht dran. Die Dachlatte wird sich wieder durchbiegen, nur nicht mehr so weit wie beim ersten Mal. Wenn du die Distanz weiter verringerst, wird sich die Dachlatte kaum noch biegen. Das heißt, je kürzer die relevante Distanz zwischen den Auflagepunkten ist, desto stabiler und härter reagiert die Dachlatte.

Genauso verhält es sich beim Pfeilschaft. Du müsstest mal versuchen, ein 10 cm langes Stück eines 1200er Schafts zu biegen. Der hat dann den Spinewert eines Telegrafenmasten.


 

Wenn du deinen Pfeil mit den o.g. Komponenten mit einem 800er Schaft baust und feststellst, dass er sich noch zu weich verhält, kannst du beispielsweise den Schaft um 0,25" kürzen (überlege es dir genau, wieder ankleben geht nicht). Rechnerisch ergäbe das dann den Spinewert von 780, näher an den 800.

Ein bisschen niedriger bleiben, ist übrigens nie verkehrt! Megatipp!

Falls sich der Pfeil zu hart verhält, was kaum zu erwarten ist, kannst du mit einer schwereren Spitze und gleichzeitiger Vergrößerung der Standhöhe gegensteuern.

Willst du dir die Option offenhalten, den Pfeilschaft noch weiter zu kürzen, musst du auch von vorne herein mit einer größeren Pfeillänge spielen.

Behalte aber im Kopf, dass solche Eingriffe zum Teil auch einen deutlichen Einfluss auf das Gewicht deines Pfeils haben.

Egal, was du in der Theorie machst, entscheidend ist, wie du auf ein nicht zufriedenstellendes Flugverhalten in der Praxis reagieren kannst.

Einen wirklich ersten Eingriff, sofern dir das Flugverhalten nicht gefällt, ist das moderate schrittweise Ändern der Standhöhe. Damit regulierst du - je nachdem - die auf den Pfeil übertragene Energie. Und meistens reicht das schon aus (Die Standhöhe beim Bogen und warum sie so wichtig ist) und du musst keine größeren Umbaumaßnahmen vornehmen.


 

Das richtige Material wählen

Bis jetzt ist nur (ziemlich) sicher, dass du Pfeilschäfte mit Spine 800 brauchst. Spitzen, Nocken und Protektorringe sind abhängig vom Schaft, den du letztendlich wählst. Über Federfarben kannst du aber schon mal nachdenken. Wir sind jetzt an dem Punkt, an dem es anfängt, lustig zu werden.


 

Pfeilschaft

Pfeilschäfte gibt es von unzähligen Herstellern und Anbietern. Es gibt sie mit unterschiedlichen Durchmessern, in schwarz und irgendwie bunt gemacht, meistens 32" lang und man kann sie auch bei den meisten Händlern auf eine bestimmte Länge geschnitten bestellen. Es gibt gute und schlechte. Es gibt sie billig, preiswert und teuer, mit 5 Sterne oder nix.

Das wird dich jetzt nicht beruhigen.

Pfeilschäfte

 

Die Entscheidung, ob dünn oder dick, wird dir oftmals schon dadurch abgenommen, dass es bestimmte Spinewerte gar nicht mit allen Innendurchmessern gibt. Das macht auch Sinn.

Du musst dir das Carbonröhrchen so vorstellen: Die häufigsten auf dem Markt vertretenen Innendurchmesser der Pfeilschäfte sind 0.166" (4,22 mm) und 0.245" (6,22 mm). Darüberhinaus gibt es Zwischenwerte wie 0.204", 0.173" und Exoten, die nur extrem wenig von den gängigen abweichen, wie 0.244", 0.246" u.ä.

Diese Innendurchmesser geben vor, welche Inserts und Spitzen jeweils da rein passen. Je häufiger ein bestimmter Durchmesser auf dem Markt anzutreffen ist, desto mehr Komponenten gibt es dafür auch von Zweit-, Dritt- und Viertanbietern. Am häufigsten bei der dickeren Variante ist der Innendurchmesser von 0.245" (6,22 mm), bei den dünneren Schäften ist es der Innendurchmesser von 0.166" (4,22 mm).


 

Dick oder dünn?

Eine Pauschalaussage, ob dick oder dünn besser ist, kann man nicht treffen.

Dünnere Pfeile mit entsprechend kleinerem Innendurchmesser sind meist (nicht immer) leichter, empfindlicher und durch das geringere Gewicht z.B. windanfälliger. Sie gibt es hauptsächlich in den Spinewerten 900 - 1600.

Dickere Pfeilschäfte sind meist schwerer, können, müssen aber nicht, stabiler sein und werden daher meist in den härteren Spinewerten von 340 - 800 gefertigt.

In beiden Fällen gibt es Ausnahmen.


 

Die Produktion eines Carbonschafts läuft - einfach erklärt - so ab, dass ein Kohlefasernetz, versehen mit Beimengungen wie z.B. Harzen, entweder linear oder kreuzweise in mehreren Schichten über einen Dorn gewickelt wird. Dieser Dorn gibt den späteren Innendurchmesser vor. Das Netz, seine Qualität, die Anzahl der Lagen des Netzes und die Wickeltechnik sind verantwortlich für die spätere Stabilität, die Präzision, das Gewicht und den Preis eines Carbonschafts.

Je feiner der Faden, desto feiner das Netz. Je feiner und gleichmäßiger das Netz, desto mehr Lagen können verlustfrei übereinander gewickelt werden und desto präziser ist die spätere Rundlaufgenauigkeit (bei hochpreisigen Schäften beliebt ist das Mitsubishi-Carbon).

Je mehr Lagen eines hochwertigen feinen Netzes ein Pfeilschaft hat, desto dicker, schwerer und stabiler wird selbst ein verhältnismäßig dünner Schaft. Und die Kreuzwickeltechnik sorgt zusätzlich für Stabilität. So ist es möglich, dünne, aber dennoch extrem stabile Pfeilschäfte zu fertigen. Letztendlich ist die Anzahl der Netzlagen auch für den Spinewert des Schafts verantwortlich.

(Anmerkung: Ich schieße u.a. einen dünnen Pfeilschaft mit 0.166" Innendurchmesser mit einem Spinewert von 500. Dieser Schaft besteht aus 10fach kreuzgewickelten Mitsubishi-Carbon und hat ein Schaftgewicht - dazu unten mehr - von knapp 7 gpi)

Im Umkehrschluss heißt das aber leider auch, dass sich ein dicker Schaft mit nur vier Lagen eines linear gewickelten Billig-Kohlefasernetzes recht schnell ins Nirwana verabschieden kann. Auch wenn er toll aussehen mag.

Daher - Finger weg von dicken Pfeilschäften, die sehr leicht sind. Sie haben dann auch eine dünne Wandung, was auf wenige Lagen an Carbon schließen lässt. Meistens sind die auch spottbillig.


 

Kriterien für die Wahl des richtigen Schafts - Herangehensweise

Mit dem Spinerechner hast du deinen Schaft ermittelt und weißt jetzt ungefähr, welche Komponenten du brauchst.

Zu unserem Beispiel von weiter oben:

  • Pfeillänge 28 3/4"
  • Spine 800
  • Insert 12 Grain
  • Spitze 85 Grain
  • Mindestpfeilgewicht 286 Grain

Du brauchst nun noch eine Nocke, Protektorringe (optional, aber empfohlen) und Federn mit Federsicherung (Schrumpfschlauch). Je nachdem, für welchen Schaftdurchmesser du dich entscheidest, brauchst du die entsprechend passenden Teile.


Bei dickeren Schäften arbeitest du in der Regel mit Inserts, in welche eine Schraubspitze eingeschraubt wird. Das gibt dir die Möglichkeit, durch Austausch der Spitzen mit dem Gewicht zu spielen. Schraubspitzen gibt es in mehreren Abstufungen 60gn, 70gn, 85gn ... 145gn. Dazu mehr bei Tuningmöglichkeiten weiter unten.

Diese Möglichkeit hast du bei dünneren Schäften nicht. Dort werden die Spitzen komplett eingeklebt. Die Spitze hat einen im Gegensatz zum Spitzendurchmesser verjüngten Dorn/Schaft, der genau zum Innendurchmesser des Pfeilschafts passt. Die meisten dieser Klebespitzen (z.B. 100-90-80gn) haben abbrechbare Segmente, sodass man die Spitze durch das Abbrechen leichter machen kann. In unserem Beispiel müsstest du dann eine Spitze in voller Länge und mit 100gn einkleben. Dann wärst du bei 3gn mehr, als bei der Berechnung. Das sollte aber gehen.


 

Eine Nocke wiegt im Schnitt 10 Grain, dickere mehr, dünnere weniger, zwei Protektorringe zusammen ebenfalls 10 Grain, Federn in 4" Länge mit Federsicherung 13 Grain und erfahrunggemäß noch in etwa 2 - 3 Grain für die Kleber. Macht zusammen rund 35 Grain.


 

Die Berechnung:

Insert und Spitze 97 Grain + Nocke, Protektorringe, Federn, Kleber 35 Grain = 132 Grain

Mindestgewicht 286 Grain - 132 Grain = 154 Grain

Verbleiben also 154 Grain, die dein passend zurecht geschnittener Pfeilschaft mindestens wiegen sollte.


 

Eine Pfeillänge wird gemessen von der Spitze bis zum Nockbett (da, wo die Sehne in der Nocke aufliegt). Spitze und Nocke stehen beim Schaft über. Diese Überstände (je nach verwendeten Spitzen und Nocken unterschiedlich) ziehst du von der Pfeillänge ab. Das sind meist 1" bei dünneren Schäften, 1 1/4" bei dickeren Schäften.

Nehmen wir mal die 1 1/4", dann ergibt sich Pfeillänge 28 3/4" - 1 1/4" = 27 1/2" Schaftlänge. Und diese 27 1/2" sollten mindestens (Mindestpfeilgewicht) 154 Grain wiegen.

Teilst du nun die 154 Grain durch die Schaftlänge von 27 1/2" erhältst du die relevanten gpi (grain per inch), die auf die Schäfte meist aufgedruckt sind. In deinem Fall also 5,60gpi. Unter Berücksichtigung weiterer Faktoren und mit einem Sicherheitszuschlag berechnet unser Spinewertrechner für einen "dicken" Schaft ein Mindestschaftgewicht von 5,75gpi, für einen "dünnen" Schaft 5,87gpi.


 

Ist doch ganz einfach, oder?

Nun musst du dich nur noch für einen Pfeilschaft entscheiden, der einen Spine von 800 hat mit einem Gewichtsindex von mindestens 5,60 gpi, besser deutlich mehr.

Aber ...

Was auf den Pfeilen draufsteht, wenn es überhaupt draufsteht, stimmt (so gut wie) nie! Teilweise sind die Abweichungen echt voll krass!

Und ganz blöd ist es, wenn das tatsächliche Gewicht viel geringer ist. Dann kannst du deine Berechnungen im Klo runterspülen. Das kannst du nur vermeiden, wenn du mit dem Händler Rücksprache hältst (*gröl*) oder wenn du von Haus aus gleich schwerere Schäfte wählst.


 

Nehmen wir mal an, du hast einen 800er Schaft gefunden, der mit rund 6,00 gpi deinen Vorstellungen für unser Beispiel entspricht. War gar nicht so leicht, oder? Viele Schäfte sind nämlich zu leicht.

Das liegt an einigen saublöden Trends, die sich in den letzten Jahren immer weiter ausbreiten. Geschwindigkeit und billig!

Damit Pfeile schneller und weiter fliegen, müssen sie leicht(er) sein. Dieser Trend kommt von den Turnierschützen, vom olympischen oder System-Bogenschießen. Das sind aber komplett anders konzipierte Bögen, als die traditionellen Bögen und es wird auf größere Distanzen geschossen. Damit die Pfeile leichter werden können, wird weniger Carbon verarbeitet. Weniger Carbon = billiger. Da zu leichte Pfeile aber die Bögen über Gebühr belasten, schießt man - man glaubt es kaum - billigere z.B. Dacron-Sehnen.

Übrigens: Die Rundlaufgenauigkeit, ein gerne als verkaufsfördernd benutztes Detail, ist oft angegeben in 0.006, 0.003 ... und ist für traditionelle Bogenschützen völlig belanglos. Aus unserer Sicht jedenfalls. Nachprüfbar ist das ohnehin nicht.


 

Was die restlichen Komponenten angeht - Nocken, Spitzen und Federn - gibt es nie Probleme. Bei den Protektorringen musst du allerdings aufpassen, denn so oft, wie der angegebene Spine und das Schaftgewicht nicht stimmen, so oft ist auch der Außendurchmesser der Schäfte falsch angegeben. Dann kann es durchaus sein, dass du Protektorringe mit dem bestellten Innendurchmesser entweder nicht auf die Schäfte bekommst oder zu viel Spiel hast.

Was die allgemeine Qualität angeht, nimm nicht das Billigste. Bei Spitzen ausschließlich Edelstahl oder Werkzeugstahl, keine brünierten Stahlspitzen. Bei Federn keinen billigen China-Mist.


 

Benötigte Ausrüstung und Investition, wenn du es jetzt noch immer selbst machen willst

Du brauchst natürlich eine ausreichend große Arbeitsfläche und diverse Ablageflächen. Den Rest erfährst du jetzt.


 

Pfeilschäfte schneiden

Wenn du Pfeilschäfte selbst schneiden oder später kürzen willst, brauchst du eine mehr oder weniger professionelle Pfeilsäge mit Längenskala. Mach´ das bitte nicht mit einer Eisensäge, Stichsäge, Laubsäge oder Flex, auch nicht mit einem Dremel-Selbstbau o.ä. und nicht mit einem Rohrschneider, wie er von diversen Händlern angeboten wird (Gefahr, den Schaft unsichtbar zu quetschen).

Pfeilsäge

 

Trage beim Schneiden immer einen Atemschutz, der seit Corona ja auch geläufig ist und sorge am besten noch für eine zusätzliche Absaugung mit einem Staubsauger. Kohlefasern/Carbonfasern sind extrem fein und tun deiner Lunge nicht gut.

€ 130,00


 

Schäfte und Komponenten wiegen

Du musst bzw. solltest, wenn du alles ordentlich machen willst, deine Komponenten auch wiegen. Dazu eignet sich eine ganz simple Feinwaage, die in der Lage ist, neben Gramm auch Grain anzuzeigen (keine Küchenwaage, die sind meist zu ungenau).

Feinwaage

€ 15,00 - € 20,00


 

Spinewert prüfen

Um den Spinewert deiner Schäfte und später auch deiner fertigen Pfeile zu überprüfen, falls du das willst, brauchst du einen Spinetester.

Spinetester

€ 90,00 - € 400,00


 

Messen und Rechnen

Eigentlich permanent brauchst du Messwerkzeuge wie eine höherwertige digitale Schieblehre, die Zoll/Inch anzeigt und einen Meterstab (Zollstock). Da du zusätzlich oft umrechnen musst, braucht´s noch einen Taschenrechner oder dein Handy.

Digitale Schieblehre

€ 20,00 - € 30,00


 

Kleben

Um die Komponenten zu verkleben (siehe Pfeilbau unten) und spätere Reparaturen brauchst du noch eine handelübliche Heißklebepistole und die passenden Sticks.

Heißklebepistole

€ 15,00


 

Erhitzen

Ergänzend zum Verkleben mithilfe der Heißklebepistole und für Reparaturen benötigst du ein Heißluftgeläse, das frei stehend bzw. liegend ist. So kannst du beim Erwärmen mit beiden Händen arbeiten.

Heißluftgebläse

€ 50,00


 

Reinigen

Um die Schäfte innen aufzurauen und Trennmittelreste zu entfernen, brauchst du eine spezielle Rohrbürste entsprechend dem Innendurchmesser deiner Pfeilschäfte.

Rohrbürsten

€ 10,00


 

Sonstiges zur Reinigung

Schleifpapier, Aceton, Spiritus, Papiertücher, Wattestäbchen, Stofflappen ...

€ 10,00


 

Befiederung

Befiederungsgerät mit nur einer Klammer, Fletching Tape, Cutter, Sekundenkleber und Schrumpfschlauch.

Es gibt rechtsgewundene und linksgewundene Federn (frag´ Google). Daher gibt es auch Klammern nur für die jeweilige Federart. Gängig sind bei uns rechtsgewundene Federn (RW). Dazu brauchst du eine Klammer für rechtsgewundene Federn. Mischen kannst du das nicht.

Es gibt auch ganze Stationen mit mehreren Einzelgeräten zur Befiederung. Das ist völlig unnötig. Eins reicht.

Pfeilbefiederung

€ 60,00 - 80,00


 

Federstanze

Solltest du Ambitionen haben, auch deine Federn selbst zu stanzen, benötigst du noch eine Federstanze mit dem passenden Stanzmesser für deine bevorzugte Federform. Auch hier musst du wieder aufpassen, dass du für rechts- und linksgewundene Federn die entsprechende Stanze benötigst. Mit einer Stanze für linksgewundene Federn kannst du keine RW-Federn stanzen.

Federstanze Bogenschießen

€ 60,00


 

Falls du den nicht unbedingt nötigen Spinetester und die Federstanze ignorieren willst, dann bist du an dieser Stelle mit mindestens € 310,00 (ohne Versandkosten) dabei und kannst ab sofort richtig Unfug machen.

Ganz professionell wird es dann ab ca. € 500,00.

 


 

So geht Pfeilbau - die Praxis

Wenn du das alles zusammen hast und deine Pfeilkomponenten auch schon eingetroffen sind, geht´s jetzt los.

Unsere heiligen Tipps zur Herstellung von perfekten Pfeilen.


 

Wareneingang

Du wirst natürlich erst einmal prüfen, ob alle Teile vollzählig sind. Prüfe aber auch, ob die Nocken, Spitzen und Protektorringe passen.

Wenn alles soweit passt, wiegst du deine Pfeilschäfte mit der Feinwaage, jeden einzelnen, und notierst dir die Werte in Grain. Dann misst du die Außendurchmesser mit der digitalen Schieblehre, auch alle und notieren. Dabei kannst du schon mal die eventuell mitbestellten Protektorringe probieren.

Das hat vor allem den Sinn, dass du Erfahrungen sammelst. Nun kannst und solltest du die Werte für das Gewicht, gpi - grain per inch, ausrechnen.

Vergleiche anschließend die Werte mit den Angaben auf den Pfeilschäften und, sofern möglich, mit den Werten, die bei deinem Lieferanten auf der Website angegeben sind. Vielleicht bist du jetzt schon schlauer.


 

Der Beispielschaft

Wir bauen nun Schritt für Schritt den weiter oben beschriebenen Pfeil aus den Beispielen und haben uns dabei für einen dickeren Schaft mit 0.245" Innendurchmesser (6,22 mm) entschieden. Der lag gerade so herum bei uns.

  • Spine 800
  • Gewicht 6,20 gpi laut Aufdruck, Rundlaufgenauigkeit 0.006
  • Außendurchmesser 7,26 mm
  • Pfeillänge 28 3/4" das ergibt durch den Überstand der Spitze und der Nocke eine
  • Schaftlänge von 27 1/2"
  • Protektorringe 7,30 mm
  • Insert 12gn
  • Schaubspitze 85gn
  • Nocke grün transparent
  • Federn 4" shield, Leitfeder pink, Zweit- und Drittfeder neon-grün

 

Musterpfeil

 

Beim Wiegen des Schafts ergibt sich bei der vollen Länge von 32" ein Gewicht von 227,8 gn. Teilen wir diesen Wert durch die Schaftlänge von 32", ergibt sich ein Schaftgewicht von 7,12 gpi anstelle der angegebenen 6,20 gpi. Das ist ein extrem hoher Unterschied und der fertige Pfeil wird demnach deutlich schwerer werden. Und zwar um 25,3gn (1,64 Gramm). Das sind Welten, die an sich inakzeptabel sind.

Für uns ist das keine große Überraschung und für unser Beispiel nicht so wichtig.


 

Die richtige Verarbeitung der Komponenten

Kürzen des Originalschafts

Nachdem sämtliche Komponenten bereit liegen kann´s losgehen mit dem Abschneiden des Schafts. Aus 32" mach´ 27 1/2". Man schneidet übrigens grundsätzlich das vordere Ende des Schafts ab. Das ist der längere unbedruckte Teil. Hast du deinen Schaft fertig zugeschnitten bestellt, entfällt dieser Schritt natürlich.

Maske auf und Staubsauger an:

Pfeilschaft schneiden

Pfeilschaft schneiden

 

Nun kommen einige Schritte, über die die meisten - auch Fachhändler - ganz entspannt drüber springen. Das kostet nämlich Zeit. Dabei sind gerade diese Schritte - die roten - extrem wichtig und haben sich bei uns und unseren Kunden absolut bewährt. Erklärung folgt.


 

Entgraten

Zunächst wird mit einem Schleifpapier mittlerer Körnung die Schnittkante vom Kürzen leicht schräg angeschliffen, um mögliche Grate zu entfernen.

Pfeilschaft entgraten


 

Anschleifen

Du willst - optional - später die Protektorringe vorne und hinten auf den Schaft kleben. Damit der Kleber auch ordentlich haften kann, raust wir diese Bereiche auf dem Schaft mit dem gerade schon verwendeten Schleifpapier an. Keine Protektorringe - kein Anschleifen.

Klebestellen Pfeilschaft anschleifen


 

Aufrauen

Mit der passenden Rohrbürste raust du als nächstes den Schaft innen an. Nur vorne, wo später die Spitze rein kommt. Das darf ruhig leichte Kratzer geben und dient ebenfalls dazu, dass später der Kleber eine bessere Haftung erreicht. Zudem entfernst du damit eventuell noch Krümel von der Produktion und Reste des Trennmittels.

Pfeilschaft innen aufrauen


 

Reinigen

Was du nun angeraut und mit Kratzern versehen hast, musst du natürlich reinigen.

Alles, was das Äußere des Schafts betrifft, machst du mit Spiritus. Den brauchst du auch später, um die Klebeflächen der Federn zu entfetten. Allerdings ist darauf zu achten, dass du mit Spiritus nicht die Beschriftung erreichst. Die ist manchmal in "normalem" Siebdruck aufgebracht und selbiger verhält sich gelegentlich etwas zickig bei Spiritus.

Das Innere des Röhrchens reinigst du mit Aceton und zwar am besten mit einem Wattestäbchen. Aber nicht in Aceton fluten, denn Aceton greift Carbon an.

Pfeilschaft reinigen


 

Vorbereitung zum Kleben

Schon aus dem übrigen Bastlerleben kennt man das - lose Teile entfernen, Kontaktflächen anschleifen, entstauben und entfetten!

Die Inserts, die du in den Schaft kleben musst, sind meistens ohnehin schon irgendwie rau oder stufig. Anschleifen müsstest du nur glatte Inserts. In allen Fällen aber gilt, die Dinger mit Aceton zu säubern. Und da die Wattestäbchen schon in der Nähe sind, putzt du auch die Protektorringe innen.

Insert reinigen

 

Hättest du nun dünne Schäfte, in die du ja Klebespitzen einkleben müsstest, muss der Schaft der Klebespitze richtig zerkratzt werden. Mit grobem Schleifpapier oder einer groben Feile. Und danach wieder ein Bad in Aceton. In diesen Furchen und Kratzern hält anschließend der Kleber deutlich besser.

Klebespitze


Das Verkleben

And here it is - the one and only secret.

Vergiss die hochgepriesenen Spezialkleber, nimm Heißkleber!

Sicher - andere Bogenschützen machen das auch, aber eben nur sehr wenige. Die meisten haben wohl mehr Vertrauen in Sekundenkleber, denn etwas anderes sind diese richtig teuren "Archery Glues", "Special Tites", "Max Bonds" etc. nicht und sie haben alle eines gemeinsam - eine Riesensauerei.

Stutzig solltest du vor allem werden, wenn die Kleber zum Einkleben von Nocken empfohlen werden, denn Nocken werden nicht geklebt.


 

Die Technik der Kleber

Sekundenkleber bestehen hauptsächlich aus Cyanoacrylat (auch Cyanacrylat), das eine enorme Klebkraft schon bei dünnsten Schichten hat und nur mit Aceton wieder nahezu komplett gelöst und entfernt werden kann. Bei Raumtemperatur sind sie je nach Viskosität mehr oder weniger flüssig. Dieser Klebstoff härtet extrem stark aus. Im Sprachgebrauch verwendet man deshalb gerne hart wie Glas.


 

Heißkleber sind wasser- und lösemittelfreie thermoplastische Polymere und gehören zu den Schmelzklebstoffen. Bei normaler Umgebungstemperatur sind sie fest, werden unter Wärmeeinwirkung flüssig und verfestigen sich wieder beim Abkühlen. Je höher der Anteil hochwertiger Harze in dieser Masse, desto höher die Klebefähigkeit (daher beim Pfeilbau nicht die Billig-Sticks aus dem Baumarkt nehmen, wir nehmen meist die Dinger der Marke mit dem P am Anfang). Der eher pastöse Klebstoff eignet sich hervorragend für eine höhere Schichtdicke und um Vertiefungen auszugleichen, bevor er wieder aushärtet.

Der größte Vorteil des Heißklebers jedoch ist, dass es auch im ausgehärteten Zustand relativ flexibel bleibt, wie eine Gummischicht und nicht aushärtet wie Glas.


 

Sinn und Zweck des Klebers

Die zu verklebenden Teile oder Werkstoffe sollen in erster Linie dauerhaft fest und belastbar miteinander verbunden werden. Das schaffen grundsätzlich beide Kleber.

Sekundenkleber ist nur für extrem dünne Schichten geeignet, was bei professionellen Acrylatklebern sogar in der Produktbeschreibung angegeben ist. Darüber, wie dünn bzw. dick diese Schicht sein darf, entscheidet unter anderem die Viskosität des Klebers. Je härter und glatter - Glas, Metall etc. - die zu verklebenden Teile sind, desto flüssiger (höhere Viskosität = höhere Fließgeschwindigkeit) sollte der Kleber sein. Deshalb bringt es z.B. nichts, zu versuchen, mit einem sehr flüssigen Sekundenkleber den abgebrochenen Griff einer Porzellan-Tasse wieder anzukleben. Vor allem dann nicht, wenn schon ein paar kleine Brösel fehlen.


 

Heißkleber entspricht dagegen eher eine klebrigen Masse. Man kann damit sehr poröse Materialien in dickeren Schichten miteinander verkleben und Materialdifferenzen ausgleichen.


 

Die Verarbeitung - Vor- und Nachteile der Kleber

Sekundenkleber sind aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken. Jeder von uns weiß auch, dass diese Kleber einem das Leben schwer machen können. Je nach Viskosität (Fließgeschwindigkeit, wie flüssig das Zeug ist) verteilt sich Sekundenkleber schon mal an Stellen, wo man ihn nicht haben will. Das ist auch beim Pfeilbau nicht anders. Und das Zeug wieder zu entfernen, ist nahezu unmöglich.

Schwierig wird es, wenn du ein Insert in einen Schaft kleben willst. Bist du nicht schnell genug, klebt das Teil schon fest, bevor es ganz drin ist. Noch viel schwieriger wird es, wenn du eine Klebespitze mit langem Dorn einkleben willst. Da musst du richtig schnell sein. Was du außerdem nicht weißt, ist, wie die richtige Dosierung ist und ob dieser Sekundenkleber auch dort ist, wo er sein sollte.


 

Heißkleber ist immer mehr oder minder zäh und bleibt wesentlich länger verarbeitbar bis er abgekühlt ist. Du hast somit wesentlich mehr Zeit und kannst dadurch noch Korrekturen vornehmen. Er ist einfach zu verarbeiten und Reste sowie Überschüsse sind leicht zu entfernen.

Du musst dir auch beim Dosieren keine Gedanken machen. Einfach drauf, was geht. Dadurch verteilt er sich bis in den letzten kleinen Kratzer (siehe oben) und du kannst damit auch schöne Bremsklötze (dazu weiter unten mehr) bauen.


 

Der Stellenwert des Klebers im Pfeilbau

Davor müssen wir ein bisschen weiter ausholen.

Pfeile entwickeln eine hohe Geschwindigkeit und treffen ihr Ziel oder etwas anderes mit enormer Kraft, auch wenn das vielleicht bei Zielscheiben nicht so sehr auffällt. Diese Aufprallenergie wird einerseits vom Ziel, andererseits vom Pfeil kompensiert bzw. absorbiert.

Schon die 3D-Tiere auf einem Parcours sind manchmal recht hart, wenn sie mit Wasser vollgesogen und gefroren sind, noch härter. Noch härter sind Wurzeln, Bäume und Steine. Nicht jeder Schuss ist auch ein Treffer. Selbst wenn man im Winter auf eine sehr kalte oder gar gefrorene Scheibe schießt, stellt man fest, dass so ein Ziel recht widerstandsfähig sein kann.

Diese Aufprallenergie entlädt sich in den Pfeil in der Form, dass die Nocke aus dem Schaft fliegen oder ein Stück herausrutschen kann und sie entlädt sich in die Spitze des Pfeils. Die Spitze selbst, sofern hochwertig, nimmt dabei meist nur minimalen Schaden und eine Feile macht´s wieder gut. Es kann allerdings auch passieren, dass sie samt Insert aus dem Schaft gedrückt wird. Ganz oder nur teilweise. Teilweise ist dabei die bessere Variante.

Harter Treffer Bogenschießen

 

Wenn der Aufprall nicht so gut es geht gedämpft wird, wird irgendetwas u.U. brechen. Auch die penibelsten Schutzmaßnahmen können nicht davor schützen, dass ein Pfeil sich mal verabschiedet.


 

Bekanntes Szenario

Nehmen wir mal an, du hast einen Baum getroffen. Entweder der Pfeil prallt ab oder er steckt drin. Schon, wenn er nur abprallt, kann das oben beschriebene Herausrutschen von Nocke und Insert oder auch der Klebespitze passieren.

Wenn er nun im Baum steckt und du ihn heraus operierst oder nur ein wenig dran ziehst, kann es sein, dass deine Spitze im Baum stecken bleibt. Für immer, zumindest bis er ins Sägewerk kommt (uih, wie die Säge sich freut).

Was ist in den beiden Fällen passiert?

Wenn so etwas geschieht, dann ist deine Klebespitze oder dein Insert mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit mit Sekundenkleber o.ä. eingeklebt. Durch den harten Aufschlag ist dein Kleber schlicht und einfach gebrochen!

Das passiert nicht mit Heißkleber, da dieser immer ein wenig flexibel bleibt. Er nimmt recht viel Energie auf und reißt nicht.

Was hart wie Glas ist, bricht auch wie Glas. Der dünne und harte Klebefilm hat sich verabschiedet. Somit gibt es keine Haftung mehr im Schaft und das eingeklebte Teil geht auf Reisen. Wenn du Glück hast, findest du es wieder oder es hängt noch leicht drin.

Ein kleiner Abschweif: Ein Hausfrauen-Frag-Mutti-Tipp bei Sekundenkleber auf Klamotten ist, das Ding, sofern es nicht zu groß ist, einfach in den Gefrierschrank zu packen. Einmal richtig durchgefroren kommt der Hammer ins Spiel und ordentlich drauf auf den Kleberfleck. Der Sekundenkleber zerbröselt bis auf Staubkorngröße.

Wenn du das ausprobieren willst, mach´ je einen Fleck Heißkleber und Sekundenkleber auf ein Brett o.ä., warte einige Zeit bis die Kleber ausgehärtet sind und dann Hammer marsch!


 

Der Heißkleber sorgt also zuverlässig dafür, dass sich Komponenten nicht abrupt verabschieden und er hat durch seine Flexibilität eine dämpfende und Schock absorbierende Fähigkeit.

Die nachfolgende Skizze soll dir veranschaulichen, wie sich Heißkleber und Sekundenkleber in einem Schaft verteilen. Dann leuchtet dir sicher sehr schnell ein, dass ein flüssiger und dünnfilmiger Sekundenkleber es nicht schafft, große Klebeflächen und dämpfende Kontaktflächen zu erzielen.

Klebervergleich

 

Da wir auch die Protektorringe mit Heißkleber befestigen, bauen wir noch einen zusätzlichen Dämpfer ein. Und den oben schon angekündigten Bremsklotz für das Insert bzw. die Klebespitze. Das ist in der Skizze der dickere Punkt am Ende des Inserts. Auch das ist mit Sekundenkleber nicht realisierbar, zumal du nicht weißt, was der flüssigere Kleber in deinem Schaft so alles treibt und wo er hinläuft.


 

Dann Kleben wir mal

Als erste Teile musst du, sofern du sie verwendest, die Protektorringe kleben. Eine dünne Spur Heißkleber rundum auf dem Schaft verteilen und dann den Protektorring zügig auf den Schaft schieben. Das Gleiche machst du am anderen Schaftende.

Kleber auf Schaft

 


 

Diese geringe Menge Kleber kühlt recht schnell ab und du kannst den überschüssigen Kleber ganz einfach abpopeln. Überprüfe dabei, ob nicht Kleber in den Schaft gelaufen ist. Das erschwert oder verhindert später zumindest am hinteren Ende das Eindrücken der Nocke. Wenn Kleber im Schaft ist, kannst mit mit einem Cutter und der Rohrbürste für Durchzug sorgen. Wenn am vorderen Ende Kleber drin ist, ist das nicht ganz so schlimm, denn der wird wieder mit erwärmt, wenn du das Insert (oder die Klebespitze) einklebst.

Kleber Protektorring

 

Kleber abpopeln

 


 

Nun ist das Insert dran. Pass´ auf, dass du es an der richtigen Seite des Schafts einbaust. Damit du dir nun nicht die Finger verbrennst, schraubst du eine (alte) Spitze ins Insert. Den Kleber verteilst du nun ganz schnell und üppig auf dem kompletten Insert. Am Ende des Inserts machst du einen ordentlichen Klebertropfen drauf.

Kleber auf Insert

 


 

Und jetzt das Insert mithilfe der Spitze zügig in den Schaft schieben, bis nichts mehr geht. Anschließend sofort mit der Spitze auf die Arbeitsplatte (Unterlage) drücken und kurz warten. Fertig.

Insert einkleben

 


 

Wenn der Kleber nach ein, zwei Minuten abgekühlt ist, drehst du die Spitze heraus und das Resultat sieht so aus wie im nächsten Bild oder so ähnlich.

Insert ohne Spitze


 

Lass den Schaft nicht zu lange liegen und popel den Überschuss zeitnah ab. Wenn du zu lange wartest, wird´s ein bisschen nervig. Das bekommst du schon heraus nach den ersten ein-, zweihundert Pfeilen.

Insert ohne Kleber

 


 

Sollte sich noch Kleber auf dem Protektorring oder dem Rand des Inserts befinden, kannst du das mit Rubbeln und vielleicht ein bisschen Unterstützung durch Spiritus entfernen. Das geht auch mit Aceton, pass´ aber auf, dass du damit nicht auf dem Schaft kommst.

Die Spitze einschrauben und die Nocke eindrücken (nie einkleben) und fertig ist der nackte Schaft.

Pfeilspitze

 

Pfeilnocke

 


 

Wenn du Schaubspitzen verwendest, dann solltest du wirklich auf Qualität achten. Edelstahlspitzen sind den Aufpreis zu brünierten Stahlspitzen allemal wert. Achte darauf, dass die Spitzen bereits diese Gummi-O-Ringe haben (kannst du auch separat bestellen). Diese haben zwei Aufgaben - sie verhindern, dass sich Spitzen von selbst lösen und sie absorbieren, dämpfen einen Teil der Aufprallenergie.

O-Ringe Pfeilspitzen

 


 

Was ist, wenn du beim Kleben zu langsam warst?

Wenn du nicht schnell genug warst, der Kleber schnell abgekühlt ist und das Insert auf halber Strecke feststeckt, ist das kein Beinbruch.

Bei Sekundenkleber wäre das ein echtes Problem.

zu langsam beim Einkleben

 


 

Jetzt kommt unser erwähntes Heißluftgebläse ins Spiel. Die Spitze im Insert belassen oder wieder einschrauben. Anschließend erwärmst (!) du die Spitze und nur die Spitze mit der Heißluft. Über das Gewinde der Spitze erwärmst du auch das Insert und somit auch den Heißkleber. Er wird wieder flüssig. Es ist nur ein bisschen Geduld gefragt.

Erhitze die Spitze nie zu stark und vor allem auch nicht den Schaft. Der überlebt das nicht. Je nach Qualität des Carbon und der Beimischungen fängt er früher oder später an, sich zu biegen und irgendwann brennt das Ding auch. Eine eventuelle Beschichtung deines Schafts verabschiedet sich ebenfalls bei zu großer Hitze. Alles immer mit Bedacht machen.

Kleber erwärmen

 


 

Wenn der Heißkleber wieder flüssig genug ist, drückst du die Spitze wieder auf deine Arbeitsplatte bzw. deine Unterlage und wartest ein wenig. Und schon ist alles wie es sein soll.

Insert erneut eindrücken

 


 

Reparaturen

Ein nicht zu unterschätzender Vorteil des Heißklebers ist das Handling bei Reparaturen.

Wie du gerade gelesen hast, kannst du Heißkleber mit moderater Wärme dazu bewegen, wieder flüssig zu werden. Wenn dir nach einem harten Treffer das Insert ein wenig aus dem Schaft gerutscht sein sollte (weiter oben beschrieben bei Der Stellenwert des Klebers im Pfeilbau), du einen komplett kaputten Pfeil ausschlachten willst oder du mit einem anderen Insert ein bisschen tunen willst, gehst du genauso vor, wie oben. Mit dem Unterschied, dass du die Spitze samt Insert mit einer Zange aus dem Schaft ziehst. Der Protektorring geht dabei übrigens ganz einfach mit ab.

Ist das Insert oder eben die Klebespitze mit Sekundenkleber eingeklebt, kannst du das in der Regel vergessen. Sekundenkleber lässt sich bestenfalls unter extrem großer Erhitzung wieder lösen. Das aber ist mit Sicherheit der Tod deines Pfeilschafts.


 

Nun kommt das Federkleid

Das Befiedern, wie wir es machen, ist schnell, einfach, dauerhaft und sauber. Auf die exakte Einstellung und Bedienung deines Befiederungsgerätes gehen wir hier nicht ein. Können wir auch gar nicht.

Und ob du das Gerät einfach nur hinstellst, mit Schraubzwingen am Tisch befestigst oder anschraubst, ist deine Sache. Wie es für dich am besten ist.


 

Du brauchst zum Befiedern das oben beschriebene (oder ein anderes) Befiederungsgerät, nur eine Klammer, das sogenannte Fletching Tape, einen Cutter, eine kleine Schere, ein Stück Schrumpfschlauch, das Heißluftgebläse, sechs kleine Tropfen Sekundenkleber und natürlich deine Federn.

Auch wenn viele daran zweifeln, dass man Federn auch mit Klebeband, dem Fletching Tape befestigen kann - es geht äußerst zufriedenstellend - schon seit vielen hundert Pfeilen.

Mit ein wenig Übung und optimalem Arbeitsablauf befiederst du 12 Pfeile komplett in 30 Minuten.


 

Falls du es nicht schon gemacht hast, reinigst du den Bereich des Pfeilschafts, wo die Federn anschließend kleben sollen mit Spiritus.

Deine zu befiedernden Schäfte sollten bereits ihre Nocken besitzen. An jeder Nocke findest du auf einer Seite eine "Nase", eine kleine Erhöhung. Das ist die spätere Position der Leitfeder. Leitfeder oder Indexfeder nennt man die Feder deiner meist drei Federn, die später vom Bogen weg zeigen sollte und in der Regel eine andere Farbe hat, als die beiden anderen Federn.

Nockindex

 

Nockindex und Feder


 

Dein Befiederungsgerät hat eine Nullstellung mit ebenfalls einer kleinen Indexmarkierung. Die sollte zu Beginn mit der o.g. kleinen Erhöhung deiner Nocke übereinstimmen. Du beginnst das Befiedern also mit der Leitfeder.

Index Befiederungsgerät

 

In der Aufnahme des Befiederunggerätes ist innen ein kleiner Stift, der die Nocke aufnimmt.

Schaft im Befiederungsgerät

 


 

Federklammer

Nun kommt die Klammer ins Spiel. Diese dient zur Aufnahme der Feder, die so anschließend mit dem Klebeband, dem Fletching Tape, versehen werden kann. Andergläubige tragen an dieser Stelle nun Sekundenkleber auf.

Auf der Klammer selbst befindet sich in der Regel eine Zoll-Skala. Die gibt dir Hilfstellung dabei, dass du alle Federn im gleichen Abstand von der Nocke verklebst. Die meisten Klammern, auch anderer Hersteller, nehmen maximal 5" lange Federn auf.

Klammer Befiederung

 


 

Hier nun die eingespannte Feder.

Feder in Klammer

 


 

Klebeband drauf.

Das Fletching Tape ist nichts anderes, als ein dünnes doppelseitiges Klebeband. Es hat bereits die richtige Breite und passt perfekt auf den Federkiel. Die Vorteile dieses Klebebands liegen auf der Hand - keine Sauerei und rückstandsfrei und ohne Probleme zu entfernen, falls du eine Feder austauschen musst. Versuch´ nur mal, die Reste von Sekundenkleber von einem Schaft herunter zu kratzen. Da macht Federtausch richtig Spaß.

Feder mit Fletching Tape

 


 

Fletching Tape abschneiden und noch etwas andrücken.

Fletching Tape

 


 

Schutzfolie abziehen und die Feder ist klebebereit.

Schutzfolie abgezogen

 


 

Nun positionierst du die Klammer mit der Feder über dem Pfeilschaft. Im Befiederungsgerät ist (hier nicht sichtbar, andere Seite) eine magnetische Führung, die dir den gesamten Vorgang sehr erleichtert.

Klammer in Position

 


 

Indem du die gesamte Klammer gleichmäßig nach unten drückst, verklebst du in einem Zug die Feder auf dem Schaft.

Klammer angedrückt

 


 

Klammer öffnen und siehe da - die erste Feder, deine Leitfeder pappt.

Klammer entfernt

 


 

Die Einstellschraube am unteren Ende drehst du nun im Uhrzeigersinn (nach rechts), bis die Mechanik wieder einrastet. Die meisten Befiederungsgeräte lassen sich für Dreifach- und Vierfachbefiederung einstellen (drei oder vier Federn). Üblicherweise verwendet man drei Federn.

Das heißt, das Gerät rastet bei der Einstellung für drei Federn immer nach einer Drehung von 120 Grad wieder ein. Du brauchst dich also nicht selbst um die richtige Position kümmern.

Befiederungsgerät weitergedreht

 


 

Den Vorgang von der Leitfeder wiederholst du jetzt für die zweite Feder und drehst anschließend das Einstellrad wieder um eine Position weiter.

Zweitfeder

 


 

Und gleich nochmal das Ganze, bis du die dritte Feder auf dem Pfeilschaft hast. Danach drehst du weiter, bis du wieder auf der Nullstellung bist.

Drittfeder

 


 

Fast fertig

Damit sich die Federn nicht ablösen, falls du mal irgendwo leicht hängenbleibst und mit deinem Schießhandschuh mal nicht ganz so zimperlich bist, kommt nun das einzige Mal Sekundenkleber zum Einsatz.

Mit einem fein dosierbaren Acrylatkleber aus dem Modellbau setzen wir nun jeweils am oberen und am unteren Ende jeder Feder einen wirklich kleinen Tropfen. Wenn der Kleber ausgehärtet ist, ist das mit bloßem Auge kaum zu erkennen.

Acrylatklebertropfen

 


 

Federsicherung

Um zu verhindern, dass sich die Federn vom Pfeil verabschieden, sobald du einen Streifschuss im Busch hast, deinen Pfeil mal unter die Grasnabe schickst oder durch ein Pfeilfangnetz schießt, kommt noch eine Federsicherung auf den Schaft.

Ganz elegant geht das mit einem Stück Schrumpfschlauch, den du wieder mit dem Heißluftgerät von weiter oben auf den Pfeil bügelst.

Federsicherung

 


 

Fertig

Unser Musterpfeil ist fertig. Genauso, wie erwartet?

Fertiger Carbonpfeil

 

Legen wir unser Baby auf die Waage und lassen uns überraschen:

Der fertige Pfeil wird gewogen

 

Unter Berücksichtigung der oben genannten Gewichte errechnet sich ein Fertigpfeilgewicht von 327,6 Grain. Der fertige Pfeil ist also real um 2,2 Grain (= 0,14 Gramm) schwerer. Diese Differenz kann auf Rundungsfehler, Gewichtstoleranzen und natürlich Kleber zurückgeführt werden und ist völlig im Rahmen.

Mit diesem Gewicht liegen wir auch deutlich über dem Mindestpfeilgewicht unserer Berechnung von 286 Grain und somit steht einem Praxistest nichts mehr im Wege.


 

Zwischentipp

Wenn du dir z.B. zwölf Pfeile bauen möchtest und dir das entsprechende Material besorgt hast, baue zunächst nur drei Pfeile.

Drei, damit du einen Vergleich hast, nicht mehr als die drei, damit du, falls etwas schief läuft, nicht gleich alle Pfeile neu machen oder ändern musst.


 

Ausschießen

Vertrauen ist gut, Kontrolle definitiv besser. Du musst deine drei Pfeile ausschießen. Das heißt, du schießt sie auf unterschiedliche Distanzen und schaust dir möglichst genau den Pfeilflug und anschließend die Position und Ausrichtung auf einer Scheibe an.

Dokumentiere, was du tust. Schreibe auf, mit welcher Standhöhe du jeweils schießt und was die Pfeile tun, wenn du sie änderst. Achte auf das Verhalten deines Bogens und darauf, ob er unterschiedliche Geräusche macht.

Was du tun kannst, falls dir etwas nicht gefällt oder nicht geheuer ist, kannst du in unterschiedlichen Artikeln in unserem Technik-Blog nachlesen. 


 

Tuningmöglichkeiten

Die einfachste und sehr effiziente Möglichkeit, auf den Pfeilflug und die Trefferlage Einfluss zu nehmen, ist das Arbeiten mit der Standhöhe.

Erst danach und nur, wenn es nicht wirklich zufriedenstellend ist, solltest du die übrigen Faktoren des dynamischen Spines ins Visier zu nehmen. Ein erster Schritt könnte, wenn es dir möglich ist, der Austausch der Sehne sein. Das ist an sich recht simpel und zeigt sehr schnell Resultate.

Die anderen Alternativen sind - der Reihe nach - das Spielen mit dem Spitzengewicht durch Austausch der Spitzen (schwerere Spitzen lassen einen Pfeil weicher reagieren, leichtere Spitzen haben den umgekehrten Effekt) und erst, wenn das noch nicht ausreicht, musst du dir Gedanken um deine Pfeillänge machen. Denke immer daran, dass speziell eine Änderung des Spitzengewichts auch einen deutlichen Einfluss auf das Pfeilgewicht an sich hat.

Geh´ bei allem was du tust recht moderat vor. Immer in kleinen Schritten und mische nicht unterschiedliche Maßnahmen, sonst verlierst du leicht den Überblick über die Auswirkungen. Und schau´ dir alle geplanten Änderungen vorher im Spinewertrechner an.


 

Das war´s von unserer Seite. Du wolltest es ja so, nun viel Spaß ...

 

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